Konjunkturmotor Industrie

Das südlichste Bundesland nimmt in den Konjunkturanalysen eine aufgrund der Vergangenheit ungewohnte Rolle ein, denn auch für 2019 wird ein regionales Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent erwartet - und diese Zahl liegt ebenfalls über dem Bundesschnitt. Dabei fällt auf, dass der Aufwärtstrend vor allem auf die Industrie, den produzierenden Sektor und den IT-Bereich zurückzuführen ist. So verbuchten etwa die Sachgüter-Erzeugung und die Bauwirtschaft im vergangenen Jahr satte Zuwächse. Ambitionierte Ziele hat man sich beim Breitband-Ausbau gesetzt, bei der Verbesserung der Netzabdeckung liegt Kärnten aktuell auf Platz zwei im Bundesländerranking. Auch bei der Forschungsquote holte Kärnten nicht zuletzt dank Leitbetrieben wie Infineon oder Flex weiter auf. Prognosen gehen für 2019 von einer Steigerung auf 3,2 Prozent aus, bis 2022 will man vier Prozent erreichen.

Kompetenzregion

Stichwort Infineon: Rund um den Standort des Halbleiter-Konzerns in Villach hat sich in den vergangenen Jahren eine Elektronik-Kompetenzregion entwickelt, die bis in die Steiermark und nach Oberösterreich ausstrahlt. Im Umfeld des Konzerns sind in den vergangenen Jahren 82 Spin-offs mit neuen, hochqualifizierten Arbeitskräften entstanden. Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht, denn Infineon investiert in Villach in globalem Ausmaß. 1,6 Milliarden Euro werden in die neue Chipfabrik investiert, bis 2025 sollen 400 neue Jobs entstehen. Insgesamt kommen mehr als die Hälfte der Wertschöpfung und knapp die Hälfte der Beschäftigten des Bundeslandes aus dem Produktionssektor. Der Anteil des Tourismus fällt mit lediglich 6,5 Prozent überraschend gering aus, wobei die Zahlen dank einer Qualitätsoffensive auch hier nach oben gehen.

Hohe Arbeitslosigkeit

Bei all den positiven Meldungen hat Kärnten jedoch nach wie vor mit teils gravierenden Strukturproblemen zu kämpfen - das weiß auch Landeshauptmann Kaiser: "Wir dürfen uns nicht dazu verführen lassen, innezuhalten." So seien weitere Maßnahmen bei der Bildung und Ausbildung nötig, auch, um die zuletzt gesunkene Erwerbslosigkeit weiter zu reduzieren. Nach Wien hat Kärnten immer noch die zweithöchste Arbeitslosenquote im Bundesgebiet, dennoch lassen sich aus dem Kreis der Arbeitsuchenden nicht genügend Fachkräfte finden.

Als große Gefahr gilt die demografische Entwicklung, die mittelfristig eine Abnahme der erwerbsfähigen Bevölkerung bedeutet. Kärnten ist das einzige Bundesland, dessen Einwohnerzahl bis zum Jahr 2040 schrumpfen wird, die Folge sind weniger Ertragsanteile vom Bund. Kopfzerbrechen bereitet vor allem die Abwanderung aus dem Bundesland in größere Städte wie Graz oder Wien. Kärnten verfügt über die höchste Quote an Maturanten, die allerdings nicht gehalten werden können und für ihr Studium wegziehen.

Gleichzeitig hat das Land wenig Handlungsspielraum, um mit Investitionen gegenzusteuern - der Rucksack mit den jährlich zu zahlenden 40 Millionen aus dem Hypo-Desaster wiegt schwer. Nicht zuletzt aus diesen Gründen weiß der Landeshauptmann um die Bedeutung der EU: "Österreich ist zwar Nettozahler, aber Kärnten ist Nettoempfänger. Seit der EU-Mitgliedschaft sind knapp drei Milliarden Euro nach Kärnten geflossen."