Linz. (ett/ede) "Ich habe so eine Wut gehabt, dass da ein 17-Jähriger sein Leben lassen musste." Oberösterreichs SPÖ-Chefin Birgit Gerstorfer schildert im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" ihre erste Reaktion, als sie im Radio gehört hat, dass im oberösterreichischen Eberschwang (Bezirk Ried im Innkreis) ein Bursch in der Silvesternacht wegen Böllers, der erst verspätet detonierte, gestorben ist. Nach Dreikönig wird es daher im Land zu Beratungen kommen, wie ein solcher Unfall bei der Silvester-Knallerei künftig verhindert werden kann.

"Man kann da nicht zur Tagesordnung übergehen. Da muss ein Diskussionsprozess starten", betont die SPÖ-Landeschefin, die ausdrücklich darauf hinweist, dass in Schweden für 2019 bereits ein Verbot festgelegt worden ist. Auch in Österreich ergriffen sollten vernünftige Maßnahmen vor allem bei größeren Knallkörpern ergriffen werden: "Das kann bis zu einem Verbot gehen."

"Es ist insgesamt ein Thema, wie gestalten wir die Silvesternacht in der Zukunft", verlangt Gerstorfer. Man müsse einfach Regeln finden, um gefährliche oder sogar tödliche Vorfälle möglichst zu verhindern. Dabei müssten auch Experten eingebunden werden. Außerdem erinnert die SPÖ-Politikerin daran, dass von den Einsätzen auch Blaulichtorganisationen oder die Polizei auf Trab gehalten werden.

"Keiner hält sich an die Regeln"

Das Problem liege wohl in der Kontrolle schon bestehender Verbote und Einschränkungen, denn es gebe bereits Regeln, nur "keiner hält sich daran", beklagte Oberösterreichs Sicherheitslandesrat Elmar Podgorschek (FPÖ) im ORF-Radio OÖ.

Jener 17-Jährige, der in der Silvesternacht starb, wollte auf einer privaten Silvesterparty aus einer selbst gebauten Vorrichtung aus Metallrohren eine Kugelbombe mit 15 Zentimetern Durchmesser abschießen. Als die Lunte versagte, versuchte er sie ein zweites Mal anzuzünden. Dabei dürfte es in dem Rohr sofort zur Explosion gekommen sein. Der Jugendliche erlitt schwere Kopfverletzungen, denen er wenig später erlag.

Podgorschek will nach den Weihnachtsferien eine Expertenrunde einberufen. Er kann sich vorstellen, dass nur noch speziell geschulte Personen Feuerwerke abschießen dürfen, räumt aber ein, dass eine gesetzliche Regelung "nicht einfach" sein werde. Das Hauptproblem sei die Kontrolle. So gebe es bereits ein Gesetz, wonach Feuerwerke vom Bürgermeister genehmigt werden müssen. Aber niemand halte sich daran. Zudem passierten die meisten Unfälle mit ohnehin verbotenen Feuerwerkskörpern.

Die Staatsanwaltschaft Ried versucht das nun zu klären. Ermittler vermuten, dass es sich um einen Feuerwerkskörper der Kategorie F3 gehandelt haben dürfte, den man nur verwenden darf, wenn man über einen Pyrotechnikausweis verfügt. Die Staatsanwaltschaft hat einen Sachverständigen beauftragt. Das Ergebnis des Gutachtens sei in einigen Tagen zu erwarten, sagte Staatsanwaltschafts-Sprecher Alois Ebner. Vom diesem hänge ab, ob es weitere Ermittlungen geben werde.

Dass der 17-Jährige den Feuerwerkskörper selbst gebaut haben könnte, ist nach Einschätzung von Kurt Schneider, der als sprengstoffkundiger Ermittler der Polizei am Unfallort war, höchst unwahrscheinlich.

Schweden schützt die Bürger vor sich selbst

Die schwedische Regierung hat schon vor Jahren den schrittweisen Abschied von Silvester-Böllern beschlossen. 2002 wurden Böller verboten, 2014 folgte dann das Aus für "schwere Raketen". Jetzt ist die klassische Leitstab-Rakete dran, die zu Silvester gerne aus leeren Sektflaschen oder aus Schneehaufen abgeschossen wird.

Ab Juni 2019 dürfen die klassischen Silvesterraketen nur mehr an Personen verkauft werden, die einen entsprechenden Berechtigungsschein haben. Um ihn zu erhalten, müssen mehrere Ausbildungseinheiten absolviert werden. Die Behörde für Zivilschutz (MSB) will mit der massiven Einschränkung des Verkaufs die verhältnismäßig hohe Zahl der Unfälle mit Stabraketen minimieren. Vorbild ist Norwegen, wo die Rakete am Stöckchen schon seit einigen Jahren nicht mehr im Handel für Endverbraucher ist.

Laut Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) verletzen sich jährlich rund 200 Personen in Österreich bei Pytrotechnikunfällen derart schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Betroffen sind fast ausschließlich junge Männer, die mit Knallkörpern und Raketen hantieren, die großteils hierzulande nicht zugelassen sind.