Ein Hauptproblem, sagt Pinsger, sei der gravierende Informationsmangel über Cannabis - vor allem unter Medizinern. "Es gibt kein einziges Ausbildungsseminar für Ärzte zu Cannabismedizin, auch im Studium gibt es dazu keine Ausbildung. Wer kümmert sich um die Fortbildung in dem Bereich?"

Tatsächlich sind Ärzte, die sich für Cannabismedizin interessieren, auf Eigeninitiativen anderer Mediziner abgewiesen. Mit rund 100 chronischen Schmerzpatienten und einigen anderen Kollegen hat sich Pinsger zur Plattform cannabinoide.at zusammengeschlossen. Lehrgänge mit Experten werden angeboten, die Finanzierung aber sei denkbar schwierig, Geld aus dem Pharma-Bereich sei mehr als knapp.

Wie auch andere Schmerzmediziner, die mit Cannabis arbeiten, beklagt der Orthopäde, dass jene rund drei Prozent "heavy user", die Cannabis missbräuchlich verwenden, oftmals den gesamten Diskurs dominieren. "Mit jenen, die Cannabis missbrauchen, habe ich als Schmerztherapeut aber nichts zu tun."

Therapie mit Cannabisblüten ist aufwendiger

Dass es an Informationen für die Ärzte fehlt, sehen offenbar auch die Autoren und Experten des nun vorliegenden Berichts ein. Was konkret passieren soll, lassen aber auch sie offen: "Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen sind in diesem Bereich jedenfalls zu begrüßen", heißt es im Bericht dazu knapp.

Dass in Deutschland nun Cannabisblüten auf Rezept erhältlich sind, ist laut dem Bericht dem Umstand geschuldet, dass man Selbstanbau zu Hause hintanhalten wolle. Tatsächlich aber liegt der neuen deutschen Regelung ein höchstrichterliches Urteil zugrunde. Genau das aber sei in Österreich bereits der Fall, sind sich zahlreiche Cannabismediziner einig. Patienten, denen natürlicher Hanf hilft, müssen sich diesen nun weiter illegal, auf der Straße oder über das Internet besorgen - oder zu Hause selbst Cannabis anbauen, was ebenso verboten ist. Martin Pinsger sieht noch einen weiteren Grund, wieso Schmerzmediziner weiter auf Präparate auf Cannabisbasis zurückgreifen: "Eine Therapie mit Cannabisblüten erfordert mehr Aufwand, als einfach Präparate zu verschreiben."