Weiters musste der von ihrem Vorgänger Christian Kern eingesetzte Steirer Max Lercher sein Büro als Bundesgeschäftsführer in der Parteizentrale in der Wiener Löwelstraße räumen. Dort platzierte sie ihren Vertrauensmann Thomas Drozda, der innerparteilich ebenso wenig verankert ist wie Rendi-Wagner selbst. Beide Ex-Minister des Kabinetts Kern waren zu diesem Zeitpunkt nicht einmal ein Jahr im Parlament.

Eine Rochade, die innerparteilich wieder für Stunk sorgte. Diesmal kam sie federführend aus den Bundesländern, weil nach Lerchers Abgang in der Bundes- und Parlamentsspitze nur Wiener vertreten sind (der Steirer Jörg Leichtfried wurde inzwischen Vizeklubobmann). Aber auch die jungen Sozialdemokraten waren sauer, weil der von ihnen geschätzte Lercher, 32 Jahre jung und aus der Sozialisitischen Jugend kommend, gegen Drozda, 53 Jahre alt, ausgetauscht wurde."Thomas, du bist ein Bobo", und "ein Akademiker im Anzug", schrieb die steirische Landtagsabgeordnete Michaela Grubesa auf Facebook.

Widerstand und Rückzieher
bei Parteireform

Drozda geriet mit den Ländern und der Parteijugend kurze Zeit später wieder aneinander, als er für viele Genossen überraschend verkündete, die unter Kern paktierte Parteireform zu verschieben und zu überdenken. Erneut kein gutes Momentum, noch dazu vor dem wichtigen Parteitag, in einer Zeit, die nach dem Bauchfleck Kerns mit seiner EU-Kandidatur, seinem Rücktritt wenig später und der auch dadurch turbulenten Anfangszeit der neuen Parteichefin einend wirken sollte.

Die Parteireform war ein Kompromiss, den Lercher allen Beteiligten mit viel Einsatz abgerungen habe, kritisierte die Sektion Acht. SPÖ-Politiker, also auch die Landeschefs, sollten sich nach zehn Jahren einer Wiederwahl stellen müssen, für die eine Zweidrittelmehrheit nötig gewesen wäre. Dem stemmte sich aber Wiens Bürgermeister Ludwig entgegen. Rendi-Wagner gab klein bei. Nun gilt sie nur für Nationalrats- und EU-Abgeordnete. "Nichts soll sich ändern. Niemand soll sich ändern müssen. Niemand will Macht abgeben", monierte die Wiener Jugendorganisation.

Nach dem Bundesparteitag war es etwas ruhiger um Rendi-Wagner und ihre SPÖ. Sie trat selten in Erscheinung, sagte auch zu wesentlichen Themen des innenpolitischen Alltags lange Zeit wenig bis gar nichts. Sie präsentierte eine eigene Pflegereform, während die Regierung über ihre eigenen Pläne sprach. Die Kritik nach außen überließ sie da und dort ihrem Bundesgeschäftsführer Drozda. Erst nach und nach wagte sie sich aus der Deckung und äußerte sich etwas detaillierter über die programmatischen Pläne der SPÖ.

Schließlich kam es Ende Dezember zu zwei Interviews, die ihr in der Partei Kritik einbrachten. Da war einerseits der weniger erregende Satz: "Marx ist mir zu wenig leistungsfreundlich." Aber andererseits, und das ist innerparteilich viel wichtiger, die Diskussion um Vermögenssteuern. Eine klassische SPÖ-Position seit jeher, eine Journalistenfrage für jede neue Parteiführung der SPÖ, für die man in der Löwelstraße inzwischen längst ein paar Stehsätze parat haben sollte, die keine zwei Meinungen zulassen.