Genau hier finden nach rechts gerückte Konservative und extreme Rechte zusammen. Sie teilen die Feindbilder: "Politisch Korrekte", linke Intellektuelle, Feministen, Asylwerber und ihre "Willkommensklatscher". Die Krise des Konservativen ist keine wahlpolitische, sie ist eine zutiefst ideologische. Reinhold Mitterlehner, jetzt wie erwähnt Unterstützer von "Ausbildung statt Abschiebung", sprach im September 2015, am Höhepunkt der Flüchtlingsbewegungen, noch von "Asyl à la carte".

Wer aber einen gesellschaftspolitischen Umbau von rechts will, dem stehen vielfach nicht nur gesellschaftlich über Jahrzehnte gewachsene Konventionen, sondern oft auch gesetzliche Grenzen im Wege. Wer Ungleichheit zwischen Österreichern und "kulturell Fremden" politisch einzementieren will, der muss selbst die Menschenrechte in Frage stellen - und gerät regelmäßig mit den Höchstgerichten in Konflikt.

Dass es keineswegs ausschließlich der Sommer 2015, die Flüchtlingsbewegungen an den Grenzen und das damit einhergehende Gefühl eines totalen Kontrollverlusts und des Versagens der supranationalen EU sein müssen, die die Konservativen in die - ideologische - Krise stürzten, zeigen die Beispiele unserer europäischen Nachbarn. In Großbritannien droht der Brexit die Tories zu zerreißen. In Frankreich ist es eine ideologisch noch indifferente, von massiver sozialer Unzufriedenheit getragene Aufstandsbewegung, die den liberal-konservativen Präsidenten Emmanuel Macron in eine veritable Krise stürzt.

Und auf Ebene der EU? Sollen die europäischen Volksparteien Viktor Orbáns Fidesz aus der Fraktion werfen? Was erwartet Europas Konservative, wenn die extreme Rechte sich bei den EU-Wahlen im Mai den zweiten Platz im EU-Parlament erkämpfen sollte? Eine Krise, so heißt es ja, ist immer auch eine Chance.