Gemeinsam gegen das Plastik: Regierungskoordinator Hofer, Kanzler Kurz und Umweltministerin Köstinger (v. l. n. r.). - © apa/Hans Punz
Gemeinsam gegen das Plastik: Regierungskoordinator Hofer, Kanzler Kurz und Umweltministerin Köstinger (v. l. n. r.). - © apa/Hans Punz

Wien. Stoffsackerl, Papiersackerl, Strohkörbe, Trolleys: Alternativen zum Plastiksackerl gäbe es viele. Welche die beste ist beziehungsweise wie man Plastik umgehen kann, das will die österreichische Bundesregierung nun mit den Handelsvertretern, der Industrie, Wissenschaft, Umweltschutzorganisationen und Zivilgesellschaft erarbeiten. Vor etwas mehr als einem Monat, konkret am 5. Dezember, hat der Ministerrat das Plastiksackerlverbot sowie das Verbot der Beimengung von Mikroplastikpartikel in Kosmetikprodukten und Reinigungsmitteln ab 2020 beschlossen.

Außerdem soll die EU-Einwegplastik-Richtlinie von 2018, wonach Kunststoff-Wegwerfprodukte wie Strohhalme verboten werden sollen, rasch umgesetzt werden. Weiters sollen bis 2025 nachweislich 20 bis 25 Prozent der Plastikverpackungen reduziert werden. Am Dienstag gab es im Bundeskanzleramt den ersten Runden Tisch mit den Betroffenen dazu. Die Wasserflaschen auf diesem waren übrigens aus Glas. Österreichs Ziele scheinen dennoch nach wie vor unerreichbar.

"Mehrweg ist das Schlüsselwort"

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Den Wirtschaftsstandort zu stärken - die Basis für einen finanzierbaren Sozialstaat -, sei genauso wichtig, wie nachhaltig mit den Ressourcen umzugehen, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) unmittelbar nach dem Runden Tisch vor Journalisten. Es gehe darum, "gegen die Wegwerfgesellschaft anzukämpfen". "Mehrweg ist das Schlüsselwort", ergänzte Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). Das Plastiksackerl einfach durch andere Materialien zu ersetzen, die ebenfalls die Umwelt belasten, sei jedenfalls wenig sinnvoll, so Regierungskoordinator Norbert Hofer (FPÖ).

Und selbst der Handel, der anfangs noch genauso wie die Kunststoffindustrie gegen das Plastiksackerlverbot protestiert hatte, schlug nach dem Runden Tisch ganz andere Töne an. "Das Verbot unterstützen wir in der Sache", sagte Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will - wenngleich die Frist bis 2020 "knackig" sei. Allerdings sollte man für mehr Wettbewerbsfairness sorgen, indem man auch Internet-Händler und Marktplätze regulatorisch miteinbeziehe. "Es wäre unverständlich, wenn das Verbot nur jene belastet, die Wertschöpfung und Beschäftigung in Österreich sicherstellen, aber die digitalen Player außen vor lässt."

Wie konkret man das bewerkstelligen möchte, das können im Moment allerdings weder Handel noch Politik beantworten - hier gehe es um eine europäische Lösung, so der Tenor. Tatsache sei jedoch, so Will, dass viele Online-Händler aus Drittstaaten kein Entpflichtungsentgelt für ihre nach Österreich gelieferten Verpackungen zahlten, obwohl sie dazu gesetzlich verpflichtet wären. Eine strengere Ahndung wäre laut Will daher wichtig.