Seine Position, dass die Anpassung der Familienbeihilfe an die Kaufkraft im Land, in dem die Kinder des in Österreich beschäftigten ausländischen Arbeitnehmers, zulässig ist, hat Mazal naturgemäß verteidigt. "Aber vielleicht sieht’s der EUGH anders", räumte er ein. Seine Argumentation baut darauf auf, dass die Finanzierung der Familienbeihilfen in Österreich anders erfolge als in anderen EU-Staaten. Dort gebe es Systeme, wo die Beihilfen durch Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitnehmer finanziert würden. Das bedeutet, es handelt sich nicht um eine Versicherungsleistung. "Die österreichische Familienbeihilfe ist eben nicht beitragsinduziert", dozierte der Arbeits- und Sozialrechtsfachmann. Er sprach von einer "Sondersteuer", die Dienstgeber zahlen müssten. In Österreich zahlen die Arbeitgeber Beitrage in den Familienlastenausgleichsfonds (Flaf) ein, aus diesem Topf werden dann unter anderem die Familienbeihilfe bezahlt. Es handle sich daher um eine Familienleistung und nicht wie in anderen Ländern um eine Sozialversicherungsleistung.

Man solle daher nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, argumentierte Mazal. Es gehe bei der Zahlung der Familienleistung um die Frage: "Muss man den Betrag exportieren oder den Wert?" Österreich zahlt seit heuer den Wert, nicht mehr die gleiche Summe wie für österreichische Kinder. Er sei der Überzeugung, dass dies "mit Wortlaut und Geist" der entsprechenden EU-Regelung vereinbar sei, betonte Mazal im dicht besetzten Saal in der Wiener EU-Vertretung. Nachsatz: "Ich halte es für klar vertretbar."

Die Bundesregierung hat die in den meisten Fällen erfolgende Kürzung der Familienbeihilfen ins Ausland gegen Kritik aus östlichen EU-Staaten und von Seiten der EU-Kommission in den vergangenen Monaten verteidigt. Für Gutachter Mazal handelt es sich um eine klar argumentierbare Sache. Aber, so räumte er mit Blick auf eine etwaige EUGH-Entscheidung ein: "Gewonnen ist das nicht."

Mazal verteidigte die ÖVP-FPÖ-Regierung auch im Zusammenhang mit der Pensionsreform. Es gebe im jetzigen Regierungsprogramm auch dazu Punkte, etwa zur Neugestaltung des Pensionssplittings oder zur Anhebung des tatsächlichen Pensionsalters. Dieses liegt im Gegensatz zum gesetzlichen Pensionsalter für Männer im ASVG-System sowie für männliche und weibliche Beamte mit 65 Jahren im Durchschnitt nur bei knapp über 60 Jahren. Das Pensionssplitting ist seit 2005 freiwillig zwischen Vätern und Müttern für die Erziehungszeiten möglich, wird aber kaum in Anspruch genommen. Er verstehe auch, dass Politiker den Begriff Pensionsreform mittlerweile gar nicht mehr in den Mund nehmen, meinte der Sozialexperte, "aber ich bedauere es". Der Begriff sei nach den Pensionsreformen in der Amtszeit von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel in der schwarz-blau-orangen Koalition von 2000 bis Anfang 2007 "ruiniert" worden. Mazal spielte damit auf die heftigen Proteste und sogar Streiks des ÖGB gegen die damaligen Maßnahmen zur Reduktion der Pensionen und Einschränkungen der Frühpensionen an. Das sei jedenfalls kein Beispiel für Solidarität in der Gesellschaft und zwischen den Generationen gewesen, beklagte er.