Wien. Plastik überschwemmt die Meere. Plastik findet sich im arktischen Eis. Plastik, von Fischen gefressen, ist zum Teil unserer Nahrungskette geworden. Die Europäische Union macht seit Jahren dagegen mobil, Österreich hat im Vorjahr ein Plastiksackerlverbot ab 2020 beschlossen. Zudem sollen bis 2025 nachweislich 20 bis 25 Prozent der Plastikverpackungen reduziert werden. Diese Woche gab es den ersten Runden Tisch zu dem Thema. Man dürfe Plastik aber nicht per se verteufeln, sagt Victoria Heinrich, die an der Fachhochschule Campus Wien im Fachbereich Verpackungs- und Ressourcenmanagement tätig ist. Denn lässt man es weg und verderben dadurch Lebensmittel schneller, sei das wenig sinnvoll. Bei der Verpackung von Lebensmitteln und deren Ökobilanz komme es stets auf das Gesamtpaket an, sagt Heinrich im Interview. Es gehe nicht um die zwanghafte Reduktion bestimmter Materialien, sondern um Optimierung und das Zusammenspiel von Nachhaltigkeit und Lebensmittelschutz.

"Wiener Zeitung": Welchen Anteil hat die Verpackung an der Umweltbelastung des gesamten Produkt-Verpackung-Systems, Erzeugung und Aufbereitung des Lebensmittels inklusive?

Victoria Heinrich: Einen sehr geringen Anteil im einstelligen Prozentbereich. Bei der Verpackung von Wasser kann er höher sein, bei Milch und Fleisch, deren Erzeugung mit einem großen Land-, Futter-, Wasser- und Energieverbrauch einhergeht, ist er niedriger.

Welche Art der Verpackung ist die nachhaltigste und wäre die beste Alternative zu Plastik?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Man kann nicht sagen, man sollte einzig auf Glas, Karton oder Metall setzen. Einwegglas hat zum Beispiel trotz hoher Recyclingquote einen hohen ökologischen Fußabdruck, weil die Glasproduktion sehr energieintensiv ist. Man muss einerseits den gesamten Lebenszyklus der Verpackung betrachten, also von der Rohstoffgewinnung über die Herstellung, den Transport, den Handel bis hin zum Konsumenten und der Entsorgung beziehungsweise zur Wiederverwertung, und andererseits die Anforderungen des Produkts, das darin verpackt werden soll. Die Verpackung und das Lebensmittel bilden eine untrennbare Einheit und müssen auch als solche bewertet werden.

Schaut man in die Supermarktregale, fällt auf, dass Milch wieder vermehrt in Glasflaschen verkauft wird - allerdings Einwegglas. Ist hier Plastik aus ökologischer Sicht die bessere Wahl?

Kunststoffgebinde oder Verbundkarton schneiden hier in der Lebenszyklusanalyse mitunter besser ab. Dazu kommt, dass jedes Lebensmittel seine eigenen Anforderungen hat. Fetthaltige Produkte wie Milch, aber auch Fleisch oder Käse sind licht- und sauerstoffempfindlich, sie neigen zur Oxidation. Daher ist es wichtig, Barrieren zu bieten - etwa durch lichtundurchlässige Verpackungen. Man darf Plastik also nicht per se verteufeln. Radikal ein Verpackungsmaterial zu streichen ist nie gut, für jedes Produkt-Verpackung-System wären eine Analyse und wissensbasierte Entscheidung wichtig.