Erzbischof Lackner überraschte am Montag in einer Pressekonferenz zu Beginn seiner Visitation mit einer Entschuldigung: "Aus heutiger Sicht werfe ich mir vor, dass ich zwar die öffentliche Verantwortung wahrgenommen habe, indem ich die an mich ergangene Information an die zuständige kirchliche Oberbehörde weitergegeben habe, es aber zugleich verabsäumt habe, das direkte Gespräch mit Bischof Alois zu suchen." Und weiter: "So bitte ich als Metropolit all jene, denen Unrecht geschehen ist, aber auch alle, die durch Intransparenz kirchenbehördlichen Handelns das Vertrauen in die Kirche verloren haben, aus tiefstem Herzen um Verzeihung."

Auf die Frage, ob nur die Diözese oder auch das Bistum, die persönliche Lebensführung des Bischofs und die jahrelange Untätigkeit der kirchlichen Stellen geprüft werde, meinte Lackner, die Visitation betreffe das Ganze, nichts sei von vornherein ausgeschlossen. Allerdings stehe ihm eine Visitation der Nuntiatur in Wien nicht zu. Der Hinweis auf die Nuntiatur erklärt sich daraus, dass aus Klagenfurt betont wurde, dass man die Nuntiatur mehrmals über die Vorgänge im Bistum informiert habe.

Er habe im Vorfeld vieles gehört, aber er müsse sich selbst ein Bild machen, sagte Lackner. Vorwürfe, er sei eng mit Bischof Alois Schwarz befreundet, wies Lackner allerdings zurück: "Das stimmt nicht, Freundschaft ist für mich etwas anderes."

So transparent wie möglich

Wie die Prüfung des persönlichen Lebensbereiches von Bischof Schwarz aussehen soll, konnte Lackner nicht im Detail sagen. Er habe so etwas noch nie gemacht, aber Bischof Elbs sei ja zum Glück ausgebildeter Psychotherapeut. Eine Person sei als solche ja eigentlich unangreifbar, betonte Lackner und schränkte dann ein: "Aber wenn sich das vermischt mit etwas Öffentlichem, wenn das Feudale reinkommt und das absolutistisch wird, muss man etwas machen." Elbs meinte, persönliche Beziehungen könne man nicht von außen untersuchen. "Aber Folgen von irgendwelchen Situationen kann man schon erkennen." Das Ziel müsse ein vertrauensvoller Neuanfang sein. "Ich bin überzeugt, dass hier ein Bild entstehen kann, das möglichst nahe an dem ist, was die Wahrheit ist."

Erzbischof Lackner ließ vorerst offen, ob der Prüfbericht der Visitation veröffentlicht wird. "Ich möchte das so transparent wie möglich machen, bin da aber nicht allein entscheidungsberechtigt." Einen neuen Diözesanbischof für Kärnten werde es mit Sicherheit nicht vor Abschluss der Visitation geben. Ein Ende könnte Ostern sein, aber auch das ist derzeit noch nicht absehbar.

*** Apostolische Visitationen ***

(maz) Knapp 15 Jahre ist die letzte Apostolische Visitation in Österreich her. Damals beauftragte Papst Johannes Paul II. den damaligen Feldkircher Bischof Klaus Küng, die Diözese St. Pölten genauer in Augenschein zu nehmen. Anlass der Visitation 2004 war der Skandal um das St. Pöltner Priesterseminar, in dessen Folge der zuständige Bischof Kurt Krenn zurücktreten musste.

Ein Apostolischer Visitator (also ein vom Papst eingesetzter Kontrolleur) wird nur in Ausnahmefällen eingesetzt.

Üblich sind hingegen Visitationen innerhalb der Diözese durch den jeweiligen Bischof oder einen seiner Vertreter. Sie dienen der Beaufsichtigung des eigenen Zuständigkeitsbereichs. "Ein Bischof ist sogar verpflichtet, seine Diözese regelmäßig zu visitieren", erklärt Michael Prüller, Sprecher der Erzdiözese Wien. "Im Kirchenrecht ist genau festgelegt, was da dazugehört: Personen, heilige Orte, Schulen, eingeschränkt auch Ordenseinrichtungen. Die Pfarren sollten so besucht werden, dass alle fünf Jahre die gesamte Diözese visitiert ist."