Wien. "Wir sind uns in den Zielen einig." So beschrieb Othmar Karas, sein Verhältnis zu ÖVP-Obmann Bundeskanzler Sebastian Kurz, der am Montag die ÖVP-Liste mit Karas an der Spitze zur EU-Wahl am 26. Mai präsentiert hat. "Wir sind sehr geschlossen in den Grundwerten", sagte auch der ÖVP-Chef, die da seien die ökosiziale Marktwirtschaft und die katholische Soziallehre. Aber es gebe in einer Partei mit 100.000en Unterstützern eben unterschiedliche Meinungen in Sachfragen; das sei auch in der Regierung so, dass es unterschiedliche Zugänge gebe: "Am Ende gibt der Bundeskanzler die Linie vor."

Man habe im Vorfeld über die verschiedenen Zugänge geredet, gab Karas zu und betonte: "Ich bin nicht der Kandidat der Bundesregierung, sondern der Österreichischen Volkspartei." Und: "Sie kennen mich und werden sicher sein können, dass Karas der bleibt, der er ist und den Sie kennengelernt haben." Bei der Indexierung der Familienbeihilfe bleibe er dabei, "dass hier unterschiedliche Einschätzungen der Rechtskonformität gegeben sind".

ÖVP will bei Stimmen und Mandaten zulegen

Ziel der ÖVP sei es jedenfalls stärker zu werden, sowohl bei den Stimmen als auch bei den Mandaten. 2014 hat die ÖVP mit Karas als Spitzenkandidat 27 Prozent und 5 Mandate erreicht.

Karas zeigte sich über seine einstimmige Nominierung und die des Teams im ÖVP-Bundesparteivorstand am Montag erfreut: "Ich will ein Kandidat für alle sein, die von Europa überzeugt sind, aber auch für jene, die an der europäischen Idee zu zweifeln begonnen haben, aber mit uns gemeinsam die EU handlungsfähiger, besser, effizienter und demokratischer machen wollen."

Kurz und Karas sprachen wie auch EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber, der ebenfalls an der Präsentation teilnahm, von einer richtungsweisenden Wahl. Der Parteiobmann erklärte außerdem, man werde einen kurzen, intensiven Wahlkampf führen und sich an die Wahlkampfkostengrenze halten. Noch offen ist, wer Karoline Edtstadler, die hinter Karas gereiht ist, im Staatssekretariat nachfolgen wird, sollte sie gewählt werden. Denn die Mandate werden nach Vorzugsstimmen vergeben.

Edtstadler mit Ambitionen auf EU-Kommission

Edtstadler werden aber auch Ambitionen für die EU-Kommission nachgesagt. Auf die Frage, ob sich unter den präsentierten Kandidaten auch die künftige österreichische EU-Kommissarin befinde, sagte Kurz: "Das kann sein."

Auf Platz drei kandidiert Nationalratsabgeordnete Angelika Winzig aus Oberösterreich, auf Platz vier die Steirerin Simone Schmiedtbauer, an fünfter Stelle ist der derzeitige Europaabgeordnete Lukas Mandl, der von Niederösterreich unterstützt wird, und für den Seniorenbund tritt der ORF-Moderator Wolfram Pirchner an. Der Klubchef der burgenländischen ÖVP Christian Sagartz kandidiert an siebenter Stelle, an achter die Tiroler Unternehmerin Barbara Thaler. JVP-Kandidat Christian Zoll tritt auf Platz neun an und die diplomierte Pädagogin Claudia Wolf-Schöffmann komplettiert die Top Ten.

Gratulation und Fehdehandschuh

Die ÖVP ist nach der SPÖ die zweite Partei, die ihre Liste für die EU-Wahl fixiert hat. SPÖ-Spitzenkandidat Andreas Schieder gratulierte Karas schon vor dessen offizieller Bestellung: "Ich freue mich auf die Auseinandersetzung mit Karas, der ohne Zweifel ein seriöser und proeuropäischer Kandidat ist, mit dem ich gerne die politische Auseinandersetzung suche."

ÖVP-Kandidaten: Lukas Mandl, Angelika Winzig. Christian Zoll, Barbara Thaler, Wolfram Pirchner - © apa/G.Hochmuth - Parlament/Simonis - ÖVP - privat - apa/H. Fohringer
ÖVP-Kandidaten: Lukas Mandl, Angelika Winzig. Christian Zoll, Barbara Thaler, Wolfram Pirchner - © apa/G.Hochmuth - Parlament/Simonis - ÖVP - privat - apa/H. Fohringer

Ganz anders die Töne vom Koalitionspartner. "So sehr ich auch Freund, Anhänger und Unterstützer dieser türkis-blauen Allianz bin, (. . .) so sehr bin ich auch Feind dieser alten und uralten Schwarzen, die mehr eine grüne Politik machen als eine konservative Politik - und die sich am liebsten mit den Sozialisten ins Bett legen wollen." Genau ein solcher Vertreter sei Karas, meinte FPÖ-EU-Abgeordneter Harald Vilimsky am Samstag beim FPÖ-Neujahrstreffen. In diesem Sinne warf er Karas auch "den Fehdehandschuh" zu.

Bei den Grünen ist klar, dass Werner Kogler Spitzenkandidat wird. Die weiteren Plätze werden am 16. März fixiert. Am kommenden Samstag fixieren die Neos ihre Liste. Dort stellt sich Abgeordnete Claudia Gamon der Wahl.