Derzeit sind über den Finanzausgleich sowohl Bund als auch Länder und Gemeinden für die Pflichtschulen zuständig. - © AdobeStock/Marina Zlochin
Derzeit sind über den Finanzausgleich sowohl Bund als auch Länder und Gemeinden für die Pflichtschulen zuständig. - © AdobeStock/Marina Zlochin

Wien. (apa) An 14 Prozent der Volks- und 30 Prozent der Neuen Mittelschulen haben besonders viele Kinder großen Förderbedarf. Im derzeitigen Modell des Finanzausgleichs werden die unterschiedlichen Bedürfnisse der Schüler allerdings ignoriert, kritisieren Arbeiterkammer (AK) und Städtebund. Ein neuer, "aufgabenorientierter" Finanzausgleich soll mehr Chancengleichheit an Schulen bringen, fordern sie.

Vor allem in den größeren Städten Österreichs gibt es besonders viele Kinder, denen ihre Eltern wegen geringer Bildung oder Deutschproblemen nur schwer beim Lernen helfen können. In Wels sind 82 Prozent der Volksschulen betroffen, zeigt eine Auswertung der Statistik Austria. In Steyr, Wien, Linz und Wiener Neustadt sind es immerhin mehr als die Hälfte.

Derzeit gebe es für Pflichtschulen (Volksschule, NMS, Polytechnische Schule) allerdings ein "schwer durchschaubares Finanzierungssystem, das es letztlich unmöglich macht, auf die Bedürfnisse der einzelnen Schüler und Schülerinnen einzugehen", bemängelt die AK. Das KDZ (Zentrum für Verwaltungsforschung) hat nun ein Modell erarbeitet, bei dem Schulen für jene Kinder, die besondere Unterstützung brauchen, mehr Mittel bekommen. Am Dienstag wurde es bei einer Veranstaltung von AK und Städtebund in Wien präsentiert.

Jetzt: Geld aus Finanzausgleich nach Einwohnerzahl

Derzeit sind über den Finanzausgleich sowohl Bund als auch Länder und Gemeinden für die Pflichtschulen zuständig. Die Länder erhalten vom Bund die Mittel für die Lehrer nach Kennzahlen wie Schülerzahl samt Zuschlägen etwa für Kleinschulen, Senkung der Klassenschülerzahlen, Sprachförderung etc. Die Gemeinden bekommen ihr Geld abhängig von der Einwohnerzahl, damit müssen sie neben Bau und laufendem Betrieb der Pflichtschulen auch nicht-pädagogisches Personal wie Erzieher in der Nachmittagsbetreuung bezahlen. Zusätzlich gehen vom Bund noch Anschubfinanzierungen für neue Ganztagsschulen an Länder und Gemeinden sowie Investitionsförderungen und Ko-Finanzierung etwa für Horte von den Ländern an die Gemeinden.

Dann: Geld nach Schülerzahl, Förderbedarf, Betreuung

Das KDZ schlägt dagegen einen "aufgabenorientierten Finanzausgleich" vor, bei dem für die Schulfinanzierung Pflichtschule und Tagesbetreuung gemeinsam betrachtet werden. Das Ziel: Jede Schule soll bundesweit einheitlich genug Mittel für den laufenden Aufwand erhalten. Für den Ausbau von Ganztagsschulen, Förderung von Risikoschülern und "Entwicklung von effizienten und zeitgemäßen Schulstrukturen" sind Aufschläge vorgesehen.

Das KDZ schlägt eine Basisfinanzierung für die Pflichtschulen vor, bei der neben der Schülerzahl auch die Zahl der Kinder und Jugendlichen in Ganztagsschulen berücksichtigt wird, außerdem die Anzahl an Schulklassen. Daneben soll es eine "Lasten-Abgeltung" geben, konkret nach Risikoschülern und Jahresbetreuungsstunden in der Tagesbetreuung.

Den Gemeinden würden demnach die Mittel aufgabenorientiert zugewiesen, um die Infrastruktur an Pflichtschulen und in der Tagesbetreuung zu finanzieren. Außerdem sollte es neun Bundesländertöpfe geben, aus denen die Lehrer finanziert werden.

Die Verteilung der Mittel an die einzelnen Schulen sollte über einen Chancenindex erfolgen, der das Bildungsniveau der Eltern und - geringer gewichtet - die Umgangssprache des Kindes berücksichtigt und zusätzliches Geld gibt. Ein Hochschulabschluss der Eltern würde demnach keinen Zuschlag geben.

Dadurch soll es für Kinder, deren Eltern sie nicht beim Lernen unterstützen oder Nachhilfe zukaufen können, mehr Ressourcen geben.