Wien. Jeder fünfte Schüler, der im Frühjahr 2018 zur Reifeprüfung angetreten ist, bekam bei der Zentralmatura in Mathematik ein Nicht genügend. Bei weitem mehr als in jedem anderen Gegenstand. Das sorgte bei Schülern und Eltern für Verärgerung, ließ aber auch im Bildungsministerium am Minoritenplatz in der Wiener Innenstadt die Alarmglocken schrillen. Auch wenn dann gut zwei Drittel der Schüler mit einem Fünfer in Mathematik diese Note noch verbessern konnten. Gut ein halbes Jahr später hat Bildungsminister Heinz Faßmann am Montag rechtzeitig vor der heurigen Matura Änderungen vorgestellt.

- © M. Hirsch
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Diese Neuerungen sind unter der Leitung des ehemaligen Wiener Stadtschulratspräsidenten Kurt Scholz und nach Gesprächen mit 600 Schülern, Eltern und Lehrern ausgearbeitet worden: Die Angaben sollen kürzer und verständlicher sein; vor Beginn der Mathematik-Matura können noch Verständnisfragen an die Mathematiklehrer gerichtet werden und den Lehrern wird bei der Korrektur mehr Spielraum gelassen. Vor allem aber sorgt die Notengebung für Erleichterungen. Denn es ist nicht mehr Voraussetzung, dass beide Teile der Mathematik-Matura positiv abgeschlossen werden müssen. Für ein Genügend reichen künftig 24 von 48 Punkten, gleichzeitig gilt parallel auch das bisherige Berechnungssystem.

"Das Ministerium ist keine Agentur fürs Sekkieren"

Damit soll die Zentralmatura in Mathematik zwar nicht leichter werden, wie Faßmann und Scholz bei der Präsentation des neuen Konzepts mit der Tullner Lehrerin und Schulbuchautorin Anita Dorfmayr betonten. Aber, so versicherte Schulexperte Scholz: "Das Ministerium versteht sich nicht als Agentur zur Sekkatur von Kindern." Scholz drängte vorerst auf ein Ende der Debatte um die Reform der Mathematik-Zentralmatura: "Ab jetzt sollte man die Schulen arbeiten lassen." Minister Faßmann schloss nach der heurigen Matura aber etwaige weitere Nachjustierungen nicht aus: Wenn nötig, werde es weitere Modifikationen geben.

Zugleich wurde signalisiert, dass auch in Deutsch bei der Matura Korrekturen vorgenommen werden sollen. So haben sich österreichische Autoren bitter beklagt, dass Literaturwissen bei der Deutsch-Zentralmatura zu kurz kommt. Für ein entsprechendes Konzept brauche es aber zwei bis drei Jahre, erläuterte Scholz.

Für den Bildungsminister sind Änderungen bei der Mathematik-Zentralmatura nur Teil eines Bündels an schon begonnen und noch bevorstehenden Reformen im Schulwesen. Die Wiedereinführung der Noten in der Volksschule ab dem kommenden Schuljahr ist bereits gesetzlich auf Schiene. Bei der Einführung von Herbstferien rund um Allerheiligen, über die schon lange Jahre debattiert wird, gibt es inzwischen zwei konkrete Varianten. Eine fixe, österreichweite Ferienwoche zwischen dem Nationalfeiertag am 26. Oktober und Allerseelen am 2. November oder zumindest fixe einheitliche Vorgaben nach Bundesländern statt der bisherigen schulautonomen Regelungen.