Wien. Bildungsminister Heinz Faßmann stellt ab dem Schuljahr 2022/23 die Bildungsstandardüberprüfung um. Daraus wird dann die individuelle Kompetenz- und Potenzialmessung (iKPM) in der 3. und 7. Schulstufe. Der Unterschied ist, dass die Bildungsstandards in der 4. (am Ende der Volksschulzeit) und 8. Schulstufe (am Ende der Neuen Mittelschule beziehungsweise AHS Unterstufe) gemessen wurden, wobei die Ergebnisse erst ein Jahr später an die Schulen rückgemeldet wurden. "Die Eltern haben die Ergebnisse ihrer Kinder erst erfahren, wenn diese gar nicht mehr an den Schulen waren", erklärt Martin Netzer, Generaldirektor im Bildungsministerium, warum hier eine Änderung vollzogen wird.

Noten sagen wenig aus

Faßmann erklärt das damit, dass die Volksschullehrer damit ein objektives Tool für die Beratung der Eltern bei der nächsten schulischen Entscheidung für ihre Kinder bekommen. Heute ist es ja so, dass Volksschullehrer häufig unter einem großen Druck der Eltern stehen, den Kindern gute Noten zu geben, um einen Übertritt in eine AHS zu ermöglichen. "Tatsächlich sagen Noten wenig aus", sagt Netzer und bestätigt damit zahlreiche Studien. In der 3. und 7. Schulstufe könne man auch noch Maßnahmen entwickeln, um die Bildungsziele doch noch zu erreichen. Mit den Kompetenzmessungen in der 4. und 8. Schulstufe könne man dann sehen, ob die Maßnahmen gegriffen hätten, sagt Netzer.

Monitoring braucht Daten

Wenn derzeit mehr als 500 Schulen die Erwartungen nicht erfüllen, ist es "zunächst einmal positiv, dass man die Notwendigkeit erkannt hat, dass man diese Schulen unterstützen muss", erklärt Bildungswissenschafter Konrad Krainer von der Universität Klagenfurt der "Wiener Zeitung". Die seit dem Schuljahr 2011/2012 durchgeführten Bildungsstandarderhebungen in Deutsch und Mathematik in der vierten und achten Schulstufe (auch in Englisch) würden dafür einen objektiven Blick geben und Bildungssteuerung und Wissenschaft helfen, ein ganzheitliches Bild zu formen. Deshalb ist Krainer auch skeptisch, wenn das Ministerium die Bildungsstandards für Monitoringzwecke nicht fortführen würde.

Hermann Zoller, Leiter des Pädagogischen Dienstes der Bildungsdirektion Steiermark, findet die Neuausrichtung der Kompetenzerhebung gut. Denn man werde in einigen Jahren wieder eine Datenlage haben. Die Lehrer hätten aber das Ergebnis ein Jahr früher und könnten noch reagieren und weil die Notenwahrheit relativ sei, würden Lehrer ein klareres Bild des tatsächlichen Könnens ihrer Schüler erhalten. Die Beurteilungsgerechtigkeit werde erhöht. Gleichzeitig mit dieser neuen Kompetenzüberprüfung kommen auch neue Lehrpläne für die Volksschule und die Sekundarstufe I (Mittelschule und AHS-Unterstufe).