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Wien. (dg) Mit dem ehemaligen Grünen-EU-Mandatar Johannes Voggenhuber, der mit der "Initiative für Europa", unterstützt von der Liste Jetzt, in den EU-Wahlkampf zieht, ist die Runde der EU-Spitzenkandidaten komplett. Zumindest jener, die gute Chanchen haben, am 26. Mai ins EU-Parlament (EP) einzuziehen. "Ich bleibe in Zeiten, wo alte Dämonen wieder aufziehen, nicht zu Hause", sagte Voggenhuber am Montag vor Journalisten. Als Abrechnung mit seiner Ex-Partei sieht er seine Kandidatur nicht.

Voggenhuber war von 1995 bis 2009 Fraktionsführer der Grünen im EU-Parlament. Er ist Co-Autor der EU-Verfassung, die letzten Endes am Widerstand Frankreichs und der Niederlande scheiterte. Nach Querelen mit der damaligen Grünen-Chefin Eva Glawischnig unterlag er bei der Listenerstellung aber Ulrike Lunacek, die nach ihm ins EP einzog.

Jetzt will Voggenhuber wieder zurück nach Brüssel, und das könnte für seine ehemalige Partei sehr unangenehm werden. Für die Grünen wird Werner Kogler erst im März zum Spitzenkandidaten gekürt werden. Beide fischen im gleichen Wählerteich und werden wohl mit ähnlichen, teils gleichen Forderungen antreten. "Alte Rechnungen führen nie zu einem erfolgreichen Wahlkampf", sagt der Politologe Peter Filzmair zur "Wiener Zeitung". Sollten diese nämlich im Wahlkampf zwischen Voggenhuber und Kogler dominieren, würden alle anderen Parteien davon profitieren, meint Filzmaier.

Voggenhuber hatte die Grünen im Vorfeld eingeladen, an seiner Initiative teilzunehmen; allerdings mit ihm als Spitzenkandidat. "Zu jedem Zeitpunkt war klar: Viele Wählerinnen und Wähler wünschen sich eindeutig eine starke grüne Kandidatur und wieder österreichische Grüne im Europaparlament", kommentiert Parteivize Nina Tomaselli die Absage an Voggenhuber.

Lachende Vierte

Eng werden könnte es laut Filzmaier auch für die SPÖ und deren Spitzenkandidaten Andreas Schieder: "Sein Problem verdoppelt sich." Zum Duell zwischen Othmar Karas (ÖVP) und Harald Vilimsky (FPÖ), der erst Ende Februar offiziell bestätigt werden soll, käme nun jenes zwischen Kogler und Voggenhuber hinzu. "Schieder muss aufpassen, dass er wahrgenommen wird."

Lachende Vierte bei der EU-Wahl könnten laut Filzmaier die Neos werden. Durch die Kandidatur Voggenhubers, welche die Grünen Stimmen kosten könne, hätten die Neos eine reale Chance, den vierten Platz zu belegen. Zudem sei deren Spitzenkandidatin, Claudia Gamon, im Vorteil. "Sie ist die einzige Frau unter lauter alten Männern", so Filzmaier. Das Alleinstellungsmerkmal gebe ihr einen Startvorteil.

Zudem hätten die Neos auch thematische Überschneidungen mit den Grünen, der SPÖ und der Initiative Voggenhubers. "Zwar nicht bei Wirtschafts- und Sozialthemen, aber beim Demokratiethema", meint der Politologe. Es zeichne sich schon jetzt ab, dass dieses den Wahlkampf dominieren werde. FPÖ-Kandidat Vilimsky nannte Voggenhuber den "fünften EU-Zentralisierer am Feld. Für mich als Rot-Weiß-Rot-Kandidat ist das noch mehr Motivation, die Souveränitätsinteressen unseres Landes zu vertreten."