Wien. (red) In der ÖVP-FPÖ-Koalition gilt er als blauer Regierungskoordinator als verlässlicher FPÖ-Mann zwischen dem polarisierenden Innenminister Herbert Kickl und der Unterstützung benötigenden Sozialministerin Beate Hartinger-Klein. Norbert Hofer, Verkehrs- und Infrastrukturminister, steuert in seiner eigenen Regierungsfunktion aber selbst auf Kollisionskurs. Mit seinem steten Eintreten für schnelleres Fahren macht er sich bewusst zum Liebkind bei Autofahrern und zum Buhmann der Umwelt-Lobby.

Ende März steigt Hofer wieder aufs Gas. Dann sollen neben den zwei Testabschnitten für eine Höchstgeschwindigkeit von 140 Kilometern pro Stunde auf der Westautobahn (A1) in Niederösterreich zwischen Melk und Oed und in Oberösterreich zwischen Traun und Sattledt neue 140-km/h-Strecken fixiert werden.

Umweltorganisationen laufen gegen ein höheres Tempolimit und damit mehr Schadstoffausstoß Sturm, Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) kommt angesichts der Klimaziele in Argumentationsnöte. Aber Hofer fährt weiter. Noch wird evaluiert. Der Verkehrsminister hat erst am Samstag gemeint, eine Teststrecke im Burgenland sei "durchaus denkbar". Mit Wohlgefallen registriert er, dass er aus den Reihen von SPÖ-Landespolitikern und vom SPÖ-nahen Autofahrerklub Arbö Zuspruch erhält.

70 km/h für Lkw werden in der Nacht erlaubt

Am heurigen Neujahrsstag hat sich Hofer nicht nur über ein "Rekordtief" mit "nur" 400 Verkehrstoten im Vorjahr erfreut gezeigt. Der Burgenländer hob auch hervor, dass es auf den 60 Kilometer langen 140-km/h-Teststrecken seit der Anhebung des Tempolimits keine tödlichen Unfälle gegeben habe. Erst diese Woche kündigte der Verkehrsminister eine Gesetzesnovelle an, um die Geschwindigkeitsbegrenzung für Lkw über 7,5 Tonnen in der Nacht von 60 auf 70 km/h und das von 22 Uhr um eine Stunde länger bis sechs Uhr Früh anzuheben. Die Umweltbelastung werde durch niedrigere Motordrehzahlen sogar sinken.

Für Versuche zum Rechtsabbiegen bei Rot an Ampeln gibt es grünes Licht. Nach einem tödlichen Unfall in Wien, wo ein Bub von einem Lkw beim Abbiegen überrollt wurde, gibt es Debatten um bessere Vorkehrungen.