Wien. Heinz-Christian Strache (FPÖ) hat sich am Montag mit einer Rede vor Wiener Polizeischülern aus dem "Papamonat" zurück gemeldet und sich anschließend gegenüber Medien dafür ausgesprochen, dass dieser allen Vätern zur Wahl stehen sollte. Das würde der Wirtschaft laut Experten nicht viel Geld kosten und eine echte familienpolitische Verbesserung sein, meinte der Vizekanzler.

Er selbst habe auch im "reiferen Alter von 49 Jahren" durchaus positive Erfahrungen gemacht. Der "Papamonat" sei wichtig gewesen, um eine Bindung zum gemeinsamen Sohn zu entwickeln. "Das tut gut." Nun sei er wieder beruflich im Einsatz, werde aber "jede freie Minute der Familie zur Verfügung stehen".

"Papamonat" ist die Außnahme

Die Anzahl der Anträge auf ein "Papamonat" stiegen im vergangenen Jahr, liegen aber immer noch auf unter zehn Prozent aller Geburten. - © APA
Die Anzahl der Anträge auf ein "Papamonat" stiegen im vergangenen Jahr, liegen aber immer noch auf unter zehn Prozent aller Geburten. - © APA

"Wir sind noch nicht zu einer gemeinsamen Lösung gekommen", sagte der Vizekanzler, der sich aber optimistisch äußerte, dass es zu einer gemeinschaftlichen Regelung mit dem Koalitionspartner kommen werde. Dafür müsse man auch keine EU-Richtlinie abwarten, die einen Vaterschaftsurlaub von zehn Tagen vorsieht, sondern er bevorzuge eine österreichische Regelung. "Alles was wir selbst lösen können, ist immer gut."

In Österreich ist der "Papamonat" bei weitem noch nicht die Regeln, sondern eher die Ausnahme: Im Vorjahr wurde die 31-tägige Familien-Auszeit in mehr als 7.000 Fällen - genau 7.338 mit Stand September - genützt. Das sind keine zehn Prozent gemessen an rund 90.000 Geburten. Es waren allerdings schon sehr viel mehr als 2017, wo nur 642 Menschen den damals neuen Familienzeitbonus nützten.

Drei dieser 642 waren Frauen (für 2018 gibt es noch keine genauen Angaben). Denn prinzipiell haben laut Familienzeitbonusgesetz zwar nur Väter einen Anspruch - aber "eine Frau, die gemäß § 144 des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches, Elternteil ist, gilt als Vater im Sinne dieses Gesetzes". Das sind laut den Erläuterungen gleichgeschlechtliche Adoptiv- oder Dauerpflegemütter, "die sich in der Situation eines Adoptiv- oder Dauerpflegevaters befinden". Bei gleichgeschlechtlichen Vätern hat nur einer der Väter Anspruch auf den Bonus.

Positive Auswirkung auf Vater-Kind-Beziehung 

Ein "Papamonat" hat positive Auswirkungen die auf die frühkindlichen Vater-Kind-Beziehung. Darauf verwiesen am Montag der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) und der Dachverband Männerarbeit Österreich (DMÖ), die die politische Forderung nach einem "Papamonat" als einen wichtigen Schritt zu einer partnerschaftlichen Teilung der Kinderbetreuung unterstützen.

Zahlreiche wissenschaftliche Studien würden die Bedeutung früher Sozialisationserfahrungen für die Bindungsfähigkeit mit elterlichen Bezugspersonen und somit für die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern belegen. Ein sogenannter "Papamonat" unterstützt damit nicht nur die frühkindliche Vater-Kind-Beziehung, sondern bereichert Väter um essenzielle emotionale Erfahrungen und stellt die Weichen in die zukunftsweisende Richtung eines männlichen Rollenbildes.

Väterkarenz in vielen EU-Ländern längst üblich 

Als Startbaustein könnte ein "Papamonat" darüber hinaus zu einer besser etablierten Väterkarenz beitragen, die in vielen EU-Ländern längst üblich und bewährt ist, und sollte für moderne, familienfreundliche Unternehmen in Österreich ein Standardangebot für Mitarbeiter sein, hieß es in einer Aussendung des Berufsverbandes am Montag.

"In Anbetracht der Fülle an wissenschaftlichen Studien, die die positiven Auswirkungen der frühkindlichen Vater-Kind-Beziehungen beweisen, sollte die Einführung des "Papamonats" gar nicht mehr zur Diskussion stehen", sagt die Präsidentin des Psychologen-Berufsverbandes Beate Wimmer-Puchinger.