Wien/Graz. "(ett) Sie können mich immer ansprechen, ich bin für Sie da!" Heinz-Christian Strache war am Montagvormittag ganz der verständnisvolle Vizekanzler und Beamtenminister vor Polizeischülern in der Marokkanerkaserne im dritten Wiener Gemeindebezirk. Der erste Medienauftritt des FPÖ-Obmanns nach seinem Papamonat war bewusst gewählt. Einerseits als "Ausdruck der Wertschätzung" gegenüber der Exekutive und dem Polizeinachwuchs. Andererseits als Werbeauftritt für den Papamonat, den die FPÖ auch in der Privatwirtschaft durchboxen möchte.

Selbst an die Medienvertreter appellierte Strache im Festsaal des Polizeiausbildungszentrums. Diese sollten "im Zweifel immer auf der Seite der Exekutive stehen und nicht auf der Seite der Straftäter." Im Namen zahlreicher Bewerber bei der Polizei, die einen Teil des Tests schon bestanden haben, aber wegen der Umstellung auf ein neues Punktesystem den Test wiederholen müssen, wollte die "Wiener Zeitung" von Strache dazu Auskunft. Ob der für den öffentlichen Dienst zuständige Minister und Vizekanzler diese Vorgangsweise für vernünftig halte, wenn die Polizei gleichzeitig dringend Nachwuchs sucht.

Der FPÖ-Chef erinnerte daran, es sei eine große Aufnahmeoffensive im Laufen. Auf Näheres ließ er sich nicht ein, sondern verwies auf den zuständigen Innenminister. Das ist sein blauer Parteikollege und frühere FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl.

Landespolizei bedauert

Der Zufall wollte es, dass ausgerechnet zum Zeitpunkt, an dem Strache in Wien seine "offenen Ohren" für die Anliegen der Polizei bekundete, zwei junge Bewerber für die Exekutive in der Steiermark (Namen der Redaktion, bekannt) per E-Mail Post von der Landespolizeidirektion Steiermark erhalten haben. Darin wurde mitgeteilt, dass sie sich wegen des vom Innenministerium seit 2019 neugeregelten Aufnahmeverfahrens "zu unserem Bedauern" nochmals bewerben müssten. Das gelte auch für alle, die das Aufnahmeverfahren "positiv abgeschlossen haben und noch nicht zu einem Kurs eingeladen wurden".

Dabei hat der eine Bewerber aus der Steiermark nach Angaben seiner Mutter gegenüber der "Wiener Zeitung" den Eignungstest mit 960,7 von 982 Punkten sehr gut abgeschlossen und im Dezember die psychologische Prüfung und den Test am Ergometer absolviert. Zurück bleiben vorerst auch noch Extrakosten. Denn ein notwendiges Gesundheitsattest muss ebenfalls neu eingeholt werden.

Antrag für Übergangslösung

Vor dieser Enttäuschung in der steirischen Familie hatte trotz deren Anfragen bei der Landespolizeidirektion wochenlang Unklarheit geherrscht. Ein Bericht der "Wiener Zeitung" hatte die Mutter schon Anfang Jänner aufgeschreckt. Damals hat das Innenministerium bestätigt, auch positiv absolvierte Aufnahmetests müssten wiederholt werden, weil das alte und neue Punktesystem nicht vergleichbar sei.

Betroffen sind österreichweit einige Hundert Fälle: Allein in Wien sind es rund 150, mehr als 100 in der Steiermark, rund 70 in Oberösterreich. Dabei haben die Personalvertreter in der steirischen Landespolizeidirektion einen Antrag für eine sinnvollere Regelung beschlossen. Kickl wurde aufgefordert, in einer Übergangslösung bei 56 Kandidaten mit mehr als 800 Punkten und 47 Kandidaten mit mehr als 900 Punkten schon abgelegte Prüfungen anzuerkennen.