Wien. Überlegungen zu einem generellen Rechtsanspruch auf einen Papamonat für alle Väter stehen nicht erst seit der Baby-Auszeit von Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache auf der politischen Agenda. Nach dem gestrigen Ministerrat scheint eine Umsetzung noch im heurigen Jahr möglich. Kleine und mittlere Unternehmen mit wenig Personal sind jedoch auf jeden Mitarbeiter angewiesen, und so gesehen ist es verständlich, dass die Wirtschaft mit einem Rechtsanspruch auf den Papamonat - wie es ihn im öffentlichen Dienst bereits gibt - keine Freude hätte. Vier Wochen auf Fachkräfte zu verzichten, sei für kleine Betriebe nur schwer umsetzbar, heißt es.

"Lösung mit Augenmaß"

Fast 100 Prozent der Unternehmen in Österreich fallen in die Kategorie KMU: Sie haben weniger als 250 Beschäftigte und machen bis zu 50 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Der Großteil der KMU wiederum sind Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern.

Die Regierung betont, dass in Entsprechung eines modernen Familienbildes mehr Väterbeteiligung gewünscht wird. Kleinen Betrieben dürften dabei aber keine Hürden auferlegt werden. Es brauche eine Lösung "mit Augenmaß", heißt es aus dem Büro von Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck.

Laut Bundeskanzler Sebastian Kurz werden die drei Ministerinnen für Familien, Soziales und Wirtschaft nun mögliche Modelle prüfen und danach einen gemeinsamen Vorschlag präsentieren.

Die Umsetzung eines Rechtsanspruches auf ein Papamonat noch im heurigen Jahr, wie es sich die FPÖ wünscht, ist aus Sicht von Frauenministerin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) möglich.

In der Mittwoch-Ausgabe der "Oberösterreichischen Nachrichten" wurde Bogner-Strauß noch damit zitiert, dass für sie die ersten vier Wochen nach der Geburt weniger relevant seien und es ihr ganz wichtig sei, "dass wir mehr Väter in die Elternteilzeit bringen." Sie wies auch darauf hin, dass es einen Rechtsanspruch auf Väterkarenz gebe, dennoch würden nicht einmal 20 Prozent der Männer davon Gebrauch machen. Sie unterstütze daher die Forderung nach einem Papamonat, so die Familienministerin.

Industrie will abwarten

Die Industriellenvereinigung (IV) warnt vor unüberlegten Schnellschüssen und plädiert dafür, die Neuregelung der europäischen Vereinbarkeits-Richtlinie abzuwarten. Dabei gehe es auch insbesondere um Familienzeiten von 10 Tagen für Väter unmittelbar nach Geburt eines Kindes.

Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl sieht keine Belastung für die Wirtschaft durch einen generellen Papamonat. "Der kurze Ausfall von einem Monat ist ja planbar", sagt sie. Außerdem würden nicht die Firmen den Papamonat zahlen. Der Familienzeitbonus (rund 700 Euro im Monat) muss bei der Gebietskrankenkasse beantragt werden.

"Ich kann die Angst der kleinen Unternehmen wegen des Papamonats verstehen. Es kann aber immer etwas passieren", sagt Peter Rieder. Er ist Gründer und Chef der Arbeitswelten Corporate Culture & Worklife Consulting und unterstützt Betriebe unter anderem beim Aufbau eines professionellen Karenz- und Auszeiten-Managements.

Oft würden wirksame Vertretungsmechanismen fehlen, sagt Rieder. Er stelle oft fest, dass sich kleine Betriebe keine Gedanken darüber machen, wie sie einen Mitarbeiter ersetzen, wenn er ausfällt. Wenn dann die Personalressourcen so knapp seien, dass Mitarbeiter fallweise schon zu 120 Prozent ausgelastet seien, können diese dann nicht auch noch einen Kollegen ersetzen. Den großen Run auf den Papamonat erwartet Rieder jedenfalls nicht. "Man wird sehen, ob sich das so viele leisten können."