Wien. Eines gleich vorweg: Wasser gibt es in Österreich genug. Im Unterschied zu anderen europäischen Ländern wie Deutschland, Großbritannien oder Norwegen, wo Oberflächenwasser aus Flüssen und Seen für die Trinkwasserversorgung aufbereitet werden muss, wird der Bedarf in Österreich aus Grund- und Quellwasser gedeckt. Weniger als ein Prozent der theoretisch verfügbaren Wassermenge von jährlich 76,4 Milliarden Kubikmeter wird laut der österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) von Österreichs Haushalten verwendet. Der gesamte jährliche Wasserbedarf - also inklusive Landwirtschaft und Industrie - liegt bei 2,2 Milliarden Kubikmeter. Zwei Drittel entfallen auf Landwirtschaft und Industrie.

Das Problem bei der Wasserversorgung sind laut ÖVGW allerdings die Verbrauchsspitzen. Diese werden, bedingt durch den Klimawandel und die zunehmende Anzahl an Hitzewellen und Trockenheitsperioden im Sommer, immer dramatischer und können sehr wohl zu Ressourcenknappheit führen.

0,2 Prozent des Warenkorbs entfallen auf Wasserversorgung

Konkret geht es um Speicherkapazitäten und die zur Verfügung stehenden Rohrleitungen, die limitierende Faktoren in der Wasserversorgung sind. Werden die Speicher in der Nacht nicht aufgefüllt, weil das Wasser zum Beispiel in die Bewässerungsanlagen der Gärten fließt, fehlen tagsüber die Reserven. Weniger die Städte, aber vor allem Siedlungen mit Einfamilienhäusern mit Gärten und Pools sind daher laut ÖVGW-Präsident Franz Dinhobl betroffen.

Zuletzt sei im Rekordsommer 2003 "die Trinkwasserversorgung vor enormen Herausforderungen gestanden", sagte Dinhobl am Dienstag vor Journalisten. Eine Anhäufung von Hitzewellen 2015, 2017 und 2018 folgte. Seit 2003 arbeite man eng mit der Universität für Bodenkultur (Boku) zusammen, die eine Studie über die Zukunft der Wasserversorgung erstellt habe, sagte Dinhobl. Das Ergebnis liege nun vor. Demnach müsse die Infrastruktur auf den steigenden Spitzenverbrauch ausgerichtet werden.

Investitionen in diese Richtung werden allerdings "letztendlich auf den Wasserpreis durchschlagen", so Dinhobl am Dienstag. Beziffern konnte er diese Erhöhung noch nicht. Grundsätzlich entfalle derzeit jedoch nur ein äußerst geringer Teil von 0,2 Prozent des Warenkorbs auf die Wasserversorgung, betonte er.

Um die Trinkwasserversorgung auch in Zukunft zu sichern, müssten sich sämtliche Stakeholder aus Industrie, Landwirtschaft und den Haushalten unter der Leitung des Umweltministeriums "an einen Tisch setzen und ein Maßnahmenpaket schnüren", forderte Dinhobl. Die Förderungen der Siedlungswasserwirtschaft müssten bestehen bleiben, und weitere Investitionen müssten von der öffentlichen Hand gefördert werden.

"Finanzierung ist bis Ende 2021 gesichert"

Das Umweltministerium sei in allen wichtigen Gremien der ÖVGW vertreten, heißt es von diesem auf Nachfrage der "Wiener Zeitung". "Das ist eine gute Grundlage und eine sehr gute Voraussetzung, um auch gemeinsam so wichtige Fragen wie die Folgen des Klimawandels zu guten Lösungen zu führen." Was die Förderungen betrifft, "ist die Finanzierung bis Ende 2021 gesichert, Änderungen diesbezüglich stehen nicht zur Debatte". Das Umweltministerium werde sich für eine Weiterführung dieser Förderungen als wichtige Maßnahme der Daseinsvorsorge einsetzen, heißt es.

Tatsache sei, dass die Anzahl der Hitzewellen zunehmen werde, resümierte der Boku-Studienautor Roman Neunteufel. Bei den Niederschlägen seien die Aussagen unsicherer. Niedere Lagen würden aber weniger Schnee-, dafür mehr Starkniederschläge verzeichnen. Die Trockenperioden würden sich auch auf die Wasserqualität auswirken: Aufgrund der daraus resultierenden Verdünnungseffekte kann es laut Neunteufel zum Beispiel kurz zu steigender Nitratbelastung kommen.