Wien/Klagenfurt. (ett) Die Dienstagfrüh erzielte Einigung bei den Kollektivvertragsverhandlungen hat nicht nur auf 100.000 Beschäftigte in den Sozialberufen Auswirkungen. Die Mitarbeiter erhalten eine Lohnerhöhung um 3,2 Prozent und im Zuge eines Pakts über ein Arbeitszeitpaket unter anderem einen Urlaubstag nach zwei Jahren Betriebszugehörigkeit mehr. Die Bundesländer, die rund zwei Drittel der Mittel für die rund 450 betroffenen Unternehmen der Sozialwirtschaft bereitstellen, stöhnen über den Abschluss. Ihre Kosten steigen, es drohen sogar Nachtragsbudgets.

Der Vorsitzende der Landeshauptleutekonferenz, Kärntens Landeschef Peter Kaiser (SPÖ), begrüßt die Einigung in der Sozialwirtschaft nach einem 17-stündigen Verhandlungsmarathon um vier Uhr früh. "Wermutstropfen" sei aber, so meinte Kaiser im ORF-Radio, dass manche Länder dies nicht in der Höhe budgetiert hätten und daher ein Nachtragsbudget nötig sein werde. Die Alternative sind Einsparungen in anderen Sozialereichen.

So hat Oberösterreich im Sozialbudget eine Lohnerhöhung von 2,5 Prozent veranschlagt. Die Erhöhung um 3,2 Prozent führt in Oberösterreich zu Mehrkosten von 2,8 Millionen Euro. Diese könnten aber aus dem Budget abgefangen werden.

Die Einigung in der fünften Runde zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaftern in der Sozialwirtschaft erfolgte überschattet von der Drohung mit weiteren Streiks. Der Abschluss betrifft 100.000 Beschäftigte im Sozialbereich. Darunter sind Bedienstete von Organisationen wie Volkshilfe und Hilfswerk und der Pensionistenheime der Stadt Wien.

Insgesamt gilt die Einigung für fast hundert unterschiedliche Berufsgruppen. Am Beispiel der Volkshilfe mit österreichweit rund 7000 Mitarbeitern bedeutet das: Die Erhöhung gilt für Bürobedienstete, Pflegekräfte, Flüchtlingsbetreuer inklusive Juristen sowie Sozialarbeiter. Die Einigung ist außerdem Richtschnur für die eigens geführten Lohnrunden unter anderem für die Caritas-Mitarbeiter.

100 Euro im Monat zusätzlich
mehr für Lehrlinge

Die Arbeitgeberseite mit dem Geschäftsführer der Sozialwirtschaft, Walter Marschitz, an der Spitze hat ihr Lohnangebot von bisher 2,8 bis drei Prozent nochmals auf 3,2 Prozent plus erhöht. Lehrlinge erhalten zusätzlich zu dieser Lohnerhöhung monatlich 100 Euro extra, um die Attraktivität der Sozialberufe für junge Menschen zu erhöhen.

Schwieriger war ein Kompromiss über kürzere Arbeitszeiten. Die Verhandler der Gewerkschaft, Reinhard Bödenauer von den Privatangestellten (GPA-djp) und Michaela Guglberger von der Dienstleistungsgewerkschaft Vida, haben "mehr Freizeit für alle" gefordert - in Form einer 35-Stunden-Woche sowie einer sechsten Urlaubswoche. Nach Protestkundgebungen und Warnstreiks in der Vorwoche gab es jetzt Zugeständnisse. Neben dem Extra-Urlaubstag gibt es Zuschläge, wenn jemand beim Dienst einspringen muss. Die Zeit beim Umkleiden wird als Arbeitszeit gerechnet. Weiters wurde ein Anspruch auf Altersteilzeit vereinbart.