Wien. Was zuerst wie ein Widerspruch klingt, hat eine logische Erklärung: Obwohl die Anzahl der verkauften Zigaretten und laut Hannes Hofer, Geschäftsführer der Monopolverwaltung, auch der Raucher ein Rekordtief erreicht hat, sind die Spannenerträge der Trafikanten gestiegen. Denn: Gleichzeitig sind die Zigaretten überdurchschnittlich teurer geworden. Und trotz ausbleibender Steuererhöhung dürften sich die Zigarettenpreise auch heuer weiter erhöhen.

Mit diesem Jahr wurde der Automatismus bei der Erhöhung der Tabaksteuer abgeschafft. Hofer und Trafikanten-Obmann Josef Prirschl von der Wirtschaftskammer Österreich gehen dennoch davon aus, dass die Industrie eine Preiserhöhung durchführen wird. Denn ein Jahr ohne Preisentwicklung sei ein reales Minus, sagte Hofer am Mittwoch anlässlich der Präsentation der aktuellen Entwicklungen am Tabakmarkt.

Im Vorjahr war man davon weit entfernt. Die Preise für Zigarettenpackungen mit je 20 Stück wurden laut Hofer um durchschnittlich 29 Cent auf 5,05 Euro erhöht. Das war um einiges mehr als in den Jahren davor. 2017 zum Beispiel lag die Preiserhöhung bei 17 Prozent, 2016 bei nur 11 Prozent. Die Spannenerträge der Trafikanten sind daher laut Hofer um mehr als 5 Prozent auf 317 Millionen Euro gestiegen. Das sei ein Plus von 16 Millionen Euro.

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

"Wenn der Preis steigt, kann man mit der Reduktion leben"

Mit Tabakwaren allein erwirtschafteten die Trafikanten 2018 einen Umsatz von 3,2 Milliarden Euro - um etwa 1,7 Prozent mehr als im Jahr davor. Rechnet man andere Artikel wie Zeitungen, Zeitschriften oder Lottoscheine dazu, betrugen die Erlöse 4,5 Milliarden Euro. Zusätzliche Kosten von etwa fünf Millionen Euro bescherte den Trafikanten laut Prirschl allerdings die Umstellung der Zigarettenautomaten auf die neuen Jugendschutzbestimmungen: Seit 1. Jänner dieses Jahres ist Rauchen erst ab 18 erlaubt, das Alter muss beim Zigarettenkauf am Automaten mit der Bankomatkarte belegt werden.

Der Zigarettenabsatz ist währenddessen um 3,5 Prozent auf rund 600 Millionen Packungen gesunken. Etwa 1,6 Millionen Österreicher und Österreicherinnen rauchen Schätzungen zufolge, davon mehr Männer als Frauen. Die Anzahl der Tabakfachgeschäfte sank zwar um nur rund ein Prozent auf 2386, jene der Tabakverkaufsstellen (in Kombination zum Beispiel mit einem Lebensmittelgeschäft) ist allerdings um etwa vier Prozent auf 3071 gesunken.

"Wenn der Preis steigt, kann man mit der Reduktion leben", sagte dazu Prirschl. Zigaretten könnten ein Genussprodukt ähnlich erlesenen Weinen werden -und sich damit weg vom Suchtprodukt bewegen. Gründe für den Absatzrückgang seien zu je einem Drittel die Anti-Raucher-Kampagnen, der Wechsel zur E-Zigarette sowie der Schmuggel.

Der Anteil der geschmuggelten Zigaretten beläuft sich laut Prirschl auf aktuell 14 bis 15 Prozent. Der Steuerausfall durch nicht in Österreich versteuerte Zigaretten betrug 2018 rund 333 Millionen Euro. Der Schaden für Hersteller und Handel lag bei 99 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Osten und Süden seien Zigarettenpackungen um durchschnittlich 3,80 Euro zu haben, im Westen und Norden seien sie teurer, so Prirschl. In Norwegen etwa koste die Packung zehn bis zwölf Euro. Spitzenreiter sei Australien mit Preisen von bis zu 18 Euro.

An den Staat fließen
77 Prozent des Zigarettenpreises

In Österreich fließen laut Hofer vom Preis einer Zigarette 77 Prozent in Form von Steuern an den Staat, 12 Prozent macht die Handelsspanne für Trafikanten aus, 11 Prozent bekommen die Hersteller. Der Staat nahm im Vorjahr 1,9 Milliarden Euro an Tabaksteuer ein - inklusive Mehrwertsteuer waren es 2,4 Milliarden.

Da die Branche davon ausgeht, dass der Anteil der Raucher weiter zurückgehen wird, müsse man sich neue Einnahmequellen überlegen, sagte Prirschl. Seit kurzem dürfen Trafiken auch "Coffee to go" verkaufen. Kaffee und Zigaretten passten zusammen, sagte er. "Ich will als Trafikant aber keine Wurstsemmeln verkaufen." Alkohol sei ebenfalls kein Thema.

Die Monopolverwaltung, die die Lizenzen mit Gebietsschutz vergibt, hat den Auftrag, neu zu besetzende Trafiken an Menschen mit Behinderung zu vergeben. Seit 2003 ist dieser Anteil von 41 auf mehr als 53 Prozent gestiegen. Da Trafiken aber auch innerhalb der Familie weitergegeben werden dürfen (dieser Anteil macht jährlich etwa ein Drittel der Neuvergaben aus), werden laut Hofer nicht 100 Prozent der neuen Trafiken an Menschen mit Behinderung vergeben.