Eisenstadt. Es ist der Abend des 11. August 2015. Am Grenzübergang Nickelsdorf steht der burgenländische Polizeidirektor vor einer ORF-Kamera und gibt der "Zeit im Bild 2" ein Live-Interview. Versiert, ohne zu stocken oder zu stammeln, berichtet er über die Lage an der Grenze zu Ungarn, am Höhepunkt der Flüchtlingsbewegung. In einer Situation der allgemeinen Überforderung - 7000 Geflüchtete waren an jenem Tag bis zum ZiB-Interview auf dem Nickelsdorfer Lkw-Verladeplatz eingetroffen - vermittelt er ein Bild seines Krisenmanagements. Bustransporte, Versorgung der Erschöpften: Was in seiner Macht steht, das organisiert der Polizeidirektor.

Hans Peter Doskozil ist der Mann der Stunde, und es ist der Beginn einer fast raketenhaften Karriere als Politiker. Nur wenige Monate nach dem Abend in Nickelsdorf schickt die SPÖ Mitte Jänner 2016 ihren damaligen Sozialminister Rudolf Hundstorfer als Präsidentschaftskandidaten ins Rennen und löst damit eine Rochade aus. Alois Stöger, bisher Infrastrukturminister, folgt Hundstorfer nach, Gerald Klug wechselt ins Infrastrukturministerium - und Hans Peter Doskozil ist plötzlich Verteidigungsminister. Bei den Militärs ist der heute 49-jährige Ex-Polizist schnell beliebt. Er beendet den rigorosen Sparkurs seines Vorgängers, kommt mit dem Offizierskorps gut klar, "gibt den Soldaten ihr Selbstwertgefühl zurück", wie man es damals im Ministerium ausdrückte.

Auch vor der größten Baustelle im Bundesheer schreckt Doskozil nicht zurück: Er erstattet Anzeige gegen Airbus, den Hersteller der umstrittenen Eurofighter. Es folgt ein Untersuchungsausschuss, Doskozil kündigt an, das Kapitel Eurofighter zu beenden, und plant, die Kampfjets durch ein anderes Modell zu ersetzen. Dazu kommt es freilich nicht mehr. Schon ein paar Tage nach der Nationalratswahl am 15. Oktober 2017, der Niederlage von Christian Kern und der heraufdräuenden türkis-blauen Koalition sickert durch, dass Doskozil nicht in der Bundespolitik bleiben wird. Hans Niessl, dessen Landeshauptmann-Sessel Doskozil am kommenden Donnerstag übernehmen wird, wünscht sich seinen ehemaligen Büroleiter als Nachfolger. Mit 98,4 Prozent Zustimmung wird der studierte Jurist im vergangenen September zum burgenländischen Parteichef gewählt und beginnt sofort mit der Neuausrichtung der Landespolitik auf seine Person.

"House of Cards" im Burgenland