Wie lange reichen die politischen Ambitionen Doskozils zurück? "Ein Plan war da nicht dahinter", sagt jemand, der ihn sehr gut kennt. Helmut Marban arbeitete jahrelang als Doskozils Pressesprecher, zuerst in der Landespolizeidirektion, dann im Verteidigungsministerium. "Er hat sich eben durch seine Qualifikation und seine Arbeit während der Flüchtlingskrise angeboten."

Lange überlegt habe Doskozil nicht, als das Angebot für den Ministerposten eintraf. "Er ist ein Mensch, der Herausforderungen mag", sagt Marban. Hervorstechend sei bei Doskozil die Fähigkeit, immer den Überblick zu bewahren und "schnell zu begreifen, wo und wie er reagieren muss". Zudem habe er eine ausgezeichnete Kommunikationsgabe.

"Das ist der große Unterschied zu Hans Niessl", sagt auch die Grüne Landessprecherin Regina Petrik. Schon vor der Übernahme des Landeshauptmanns habe Doskozil "zahlreiche Weichen gestellt". Doskozil führte Gespräche mit den mächtigen Esterhazys, er will die Pflegeversorgung wieder ins Land zurückholen. Dass er die Bio-Wende im Burgenland ernst nehme, sei zwar auch ihr Verdienst. "Es gibt eine sehr gute Gesprächsbasis, er bemüht sich, an alle heranzutreten", sagt Petrik.

Ein sicher wohlüberlegter Zugang des Niessl-Nachfolgers, dessen Stil nicht selten als absolutistisch beschrieben wird. Doskozil weiß, dass es in der Frage des Auftritts Erneuerungsbedarf gibt. Er gibt den Pragmatiker.

Parteiintern sieht das etwas anders aus. Doskozil ist sich seiner linken Kritiker in der Landespartei voll bewusst. Hier agiert der Parteichef nach Kalkül, wie burgenländische Genossen hinter vorgehaltener Hand erklären: Während Hans Niessl mit progressiven Parteikollegen wie der Bundesrätin Inge Posch-Gruska so gar kein gutes Auskommen fand, wird Doskozil die erfahrene Familien-, Jugend- und Sozialpolitikerin zurück ins Burgenland holen. Gut möglich, dass Posch-Gruska in Kürze Teil der Landesregierung oder Landtagspräsidentin wird, ein Platz im Landtag ist ihr aber sicher.

Postenrochaden und "Nichtangriffspakte"

Glaubt man Insidern, erfüllt Doskozil damit zweierlei: Einerseits erkenne und schätze Doskozil Kompetenz, und hier biete sich Posch-Gruska an. Ihre Rückholung sei so auch ein Signal an die Parteilinke. Andererseits aber habe Doskozil so den Aufstieg von unbequemem Nachwuchs aus dem Bezirk Mattersburg fürs Erste gebremst. Im ORF Burgenland hatte sie beteuert, den Bundesrat nur ungern zu verlassen. Mit der "Wiener Zeitung" wollte Posch-Gruska aber nicht sprechen.

Wer sich mit Kritik gegen Hans Niessl und seinen Nachfolger zu weit aus dem Fenster lehnt, dessen Karriereweg wird hingegen rasch beschnitten. Robert Hergovich, ehemaliger Klubchef im Landtag, verlor Anfang 2018 sowohl den Posten als Klubchef im Landtag als auch den Vorsitz im Bezirk Eisenstadt-Umgebung. Heute arbeitet er als Kommunikationschef in der burgenländischen Arbeiterkammer. Interne Querelen in seiner Regierungsmannschaft habe Doskozil schon vorab durch geschickte Postenvergabe und "Nichtangriffspakte" geregelt.