Rom/Wien. (pech/apa) Papst Franziskus hat nach der Missbrauchskonferenz im Vatikan ein hartes Durchgreifen der katholischen Kirche gegen sexuellen Missbrauch versprochen. "Kein Missbrauch darf jemals vertuscht - so wie es in der Vergangenheit üblich war - oder unterbewertet werden", sagte der Papst. "Sollte in der Kirche auch nur ein Missbrauchsfall ausfindig gemacht werden - was an sich schon eine Abscheulichkeit darstellt -, so wird dieser Fall mit der größten Ernsthaftigkeit angegangen."

Die Vorsitzenden der 114 Bischofskonferenzen weltweit und weitere rund 70 Teilnehmer führten Donnerstag bis Samstag Gespräche, um Wege zu finden, sexuelle Misshandlungen von Kindern durch Geistliche zu verhindern. Bindende Beschlüsse wurden auf der Konferenz nicht gefasst. Mit einem Bußgottesdienst wurde das Krisentreffen zum Missbrauch in der Kirche am Samstagabend beendet. "Wir bekennen, dass wir die Schuldigen geschützt und die Opfer zum Schweigen gebracht haben", sprach Neuseelands Kardinal John Dew eines von fünf Schuldbekenntnissen in der knapp einstündigen Andacht in der Sala Regia des Apostolischen Palastes.

"Gemeinsame Betroffenheit"

Christoph Kardinal Schönborn, der als Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz in Rom dabei war, hat bereits vor Beginn der Konferenz gemeint, er erwarte sich Bewusstseinsbildung. Am Ende war für ihn das wichtigste Ergebnis, dass es eine "gemeinsame Betroffenheit" durch das direkte Hören und Sehen von Missbrauchsbetroffenen gegeben habe.

Noch am Sonntag hieß es aus dem Vatikan, man arbeite an konkreten Initiativen gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern in der katholischen Kirche. Ein neues "Motu proprio", also eine Art kirchenrechtliche Entscheidung des Papstes zum Schutz von Minderjährigen, solle bald erscheinen, sagte Federico Lombardi, Moderator des Krisengipfels im Vatikan. Damit solle dem Missbrauch vorgebeugt und der Kampf dagegen vonseiten der römischen Kurie verstärkt werden.

Die Glaubenskongregation werde außerdem ein praktisches Handbuch veröffentlichen, damit jeder Bischof auf der Welt sich seiner Verantwortung und Pflicht bewusst werde.

Für Kardinal Schönborn brachte der Kinderschutzgipfel einen "Qualitätssprung in der Auseinandersetzung mit einem schweren, sehr belastenden Thema". Im Interview mit "Kathpress" zog der Erzbischof ein positives Resümee: "Ich habe noch nie eine so offene, direkte, ehrliche, unverschlüsselte Begegnung erlebt wie in diesen vier Tagen." Dass die Opfer im Mittelpunkt seien, beginne, gemeinsames Bewusstsein zu werden. "Es geht dem Papst um weltweit verbindliche Standards. Aber wir brauchen nicht nur diese Standards, sondern auch deren Überprüfung", betonte der Kardinal.

Ein weiteres Hauptthema der Tagung sei die Prävention gewesen, sagte Schönborn: "Was wird getan, dass so etwas künftig nicht mehr geschieht." Dabei erwartet der Kardinal Vorschläge im Blick auf die Einhaltung der jetzt schon weltkirchlich verbindlichen Standards im Kampf gegen Missbrauch: "Es geht auch darum, uns auf nationaler Ebene zu helfen und uns gegenseitig auf die Finger zu schauen. Wir haben das in Österreich versucht und praktizieren das auch." Christliches Verzeihen gehe nur, wenn es eine wirkliche Aufarbeitung von Schuld gegeben habe, sagte der Kardinal weiter, "Eine echte Einsicht, ein Schuldbekenntnis und eine Wiedergutmachung in irgendeiner Form. Das andere Extrem wäre die Situation: Da ist das Opfer, da ist der Täter - und es geht nichts mehr. Beides sind keine Lösungen. Da können und müssen wir noch lernen."

Prävention am wichtigsten

Pastoraltheologe Paul M. Zulehner zeigte sich am Montag im ORF-"Mittagsjournal" optimistisch, was den Kampf gegen Missbrauch betrifft, denn der Papst sei gut in der Organisation von Prozessen. Was die Kirche in Österreich betreffe, so habe diese in Missbrauchsfragen einen zehnjährigen Vorsprung vor anderen Staaten - "dank" Hans Hermann Groer. Aber am wichtigsten sei Prävention. Zulehner verwies etwa auf psychologische Betreuung der Priesterseminaristen. Eine bessere Auswahl der Priesterkandidaten war auch Thema beim Kinderschutzgipfel im Vatikan gewesen.

Missbrauchsopfer erklärten sich über den Kinderschutzgipfel enttäuscht. Es würde an konkreten Ergebnissen am Ende der Konferenz fehlen. Die Gipfelteilnehmer sehen die Lage anders. Sie bezeichneten das viertägige Treffen als "Wendepunkt" im Einsatz der Kirche gegen Kindesmissbrauch.