- © APA/DIETMAR STIPLOVSEK
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Innsbruck. (temp/apa) Nach der tödlichen Attacke einer Kuh auf eine deutsche Touristin im Tiroler Pinnistal tagte am Mittwoch in Innsbruck ein Runder Tisch. Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) kündigte danach an: Es werde einen umfassenden Versicherungsschutz für Landwirte sowie Nachschärfungen im bundes- und landesgesetzlichen Bereich geben. In der Vorwoche war der Halter der Kuh im Zuge eines Zivilprozesses erstinstanzlich zu einer Schadenersatzzahlung von rund 490.000 Euro verurteilt worden.

Die landesgesetzliche Bestimmung, die verschärft werden soll, betrifft das Tiroler Almschutzgesetz - hier werde man "mehr auf Eigenverantwortung" setzen, betonte Platter. Analog zu den Regeln auf Skipisten des Internationalen Ski-Verbandes FIS werde es auch im Bereich der Almen "Regeln des Miteinanders" geben, ergänzte Landeshauptmannstellvertreter und Agrarreferent Josef Geisler (ÖVP). Bisher sei der Raum noch ziemlich "rechtsfrei". Jetzt müsse man die gesetzlichen Grundlagen dafür schaffen, dass die Eigenverantwortung gestärkt werde.

Diese "Regeln des Miteinanders" auf Almen könnten den Punkt beinhalten, dass Wanderer vor allem von Mutterkühen Abstand halten sollen, konkretisiert Geisler im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Sie könnten zum Beispiel als Folder bei Seilbahnstationen aufliegen. Es gehe um Bewusstseinsbildung und darum, "dass eine Alm kein Streichelzoo ist". Sanktionen bei Regelverstößen soll es nicht geben, man könne dadurch aber die Haftungsfrage leichter klären, hofft Geisler.

Was das Mitführen von Hunden betrifft, gilt auf der Alm genau das Gegenteil wie in der Stadt: Der Hund müsse frei laufen, dann gebe es keine Probleme - und die tödliche Attacke hätte es dann so nicht gegeben, sagt Geisler. Denn die zu Tode getrampelte deutsche Touristin war mit ihrem Hund auf der Alm unterwegs gewesen, der angeleint war und ebenfalls starb.

"Wollen kein
Land der Verbote sein"

Ein Hundeverbot auf den Almen soll daher nicht kommen. "Wir wollen kein Land der Verbote sein", sagte Platter nach dem Runden Tisch. Es könne auch nicht sein, dass künftig überall Zäune angebracht werden.

Bei der vorgesehenen bundesgesetzlichen Nachschärfung berief sich Platter auf Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), der diese zuvor bereits angekündigt hatte. Hier gehe es um eine "verschärfende Bestimmung" im Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB), die Platz greifen werde. Wie Kurz verwies Platter auf die zuständigen Minister Josef Moser (Justiz) und Elisabeth Köstinger (Agrar, beide ÖVP), die nun beauftragt seien, einen Vorschlag zu erarbeiten. Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger sprach in diesem Zusammenhang die Bestimmung über die Tierhalterhaftung im ABGB an, die adaptiert werden könnte.

Der "umfassende Versicherungsschutz" soll auf der bestehenden Wegeversicherung aufsetzen und "erweitert" werden, so Platter. Details müssten noch ausgearbeitet werden. Das wird laut Geisler ebenfalls ein bundesweites Thema sein. Der Versicherungsschutz soll vor dem Sommer finalisiert sein. Dabei könnte man sich laut Geisler an den Versicherungslösungen für Wegehalter im Tiroler Mountainbikemodell orientieren, mit denen man in Tirol bereits Erfahrung habe.

Unterstützung für
verurteilten Bauern

Die Kosten dafür würden sich in einem "überschaubaren Rahmen" bewegen, sagte Platter. Wer konkret dafür aufkommen soll, blieb vorerst jedoch unklar. Nur so viel: "Wir werden mit Tourismus und Landwirtschaft Lösungen finden, was die finanzielle Bedeckung betrifft."

Dem vom Urteil betroffenen Bauern sagten Platter, Geisler und Hechenberger volle Unterstützung und Schadloshaltung zu. Man hoffe aber freilich, dass das Urteil in der Instanz noch gedreht wird.