Wien. 330 Forscher fordern Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) in einem Offenen Brief auf, sich für die Unabhängigkeit der Statistik Austria einzusetzen. Mit dem Schreiben hebe man "die Wichtigkeit hervor, dass die Statistik Austria auch weiterhin ohne politische Einmischung valide und zuverlässige Daten generieren und analysieren kann".

"Für eine offene demokratische Gesellschaft und für ihre Teilbereiche, insbesondere für Wissenschaft und Forschung, aber auch für Politik und Medien, sind zuverlässige und valide Daten unerlässlich, wie sie derzeit von der Statistik Austria erhoben und der Öffentlichkeit in Form von Publikationen, die zumeist unentgeltlich downloadbar sind, und von Sekundärdaten, die unentgeltlich oder gegen ein geringes Entgelt für eigene Analysen und Berechnungen bezogen werden können, zur Verfügung stehen", heißt es in dem Brief. Daten, die öffentlich finanziert werden, sollten der Öffentlichkeit uneingeschränkt und ohne großen Aufwand zugänglich sein.

Keine politische Einmischung

Die Statistik Austria habe "in den letzten Jahren im Bereich der Datenerhebung, Datenaufbereitung und Datenauswertung ein enormes Know-how aufgebaut, das international vorzeigbar ist", betonen die Forscher. Dieses Know-how sei "erforderlich, um den Herausforderungen, denen die amtliche Statistik und die quantitative Forschung gegenüberstehen, gerecht zu werden".

Faßmann habe als Wissenschafter selbst die Daten der Statistik Austria für die Forschung mehrfach genutzt "und als Vizerektor für Forschung der Universität Wien zur dargestellten positiven Entwicklung beigetragen, indem Sie die Kooperation zwischen Universitäten und der Statistik Austria gefördert haben", heißt es im Brief: "Wir ersuchen Sie daher, sich als Regierungsmitglied dafür einzusetzen, dass die Statistik Austria wie bisher ihre Aufgaben ohne politische Einmischung wahrnehmen kann."

Unterzeichnet ist der vom Soziologen Johann Bacher (Uni Linz) initiierte Brief von 330 Wissenschaften aus dem Bereich der Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen sowie außeruniversitären Forschern.

Heftige Kritik an Umbauplänen

Mitte Februar berichtete der "Standard" von einem Umbau der Statistikbehörde. Die Statistik solle neu organisiert werden, ihre Kommunikation solle künftig vom Kanzleramt aus koordiniert werden, heißt es im Bericht. In der Presseabteilung soll es EInschnitte geben: Sie soll von derzeit acht auf zwei Mitglieder reduziert werden. Auch die Abteilung für Analyse solle aufgelöst werden.

Eine Reformgruppe unter Leitung von Dieter Kandlhofer, Generalsekretär im Kanzleramt, solle "das Bundesstatistikgesetz überarbeiten und die Weichen für eine Neuorganisation der Statistik stellen". Die Regierung wies die Vorwürfe zurück. Die Opposition forderte eine Anbindung der Behörde an den Nationalrat.