Wien/Graz. (ett/red.) Die Urlaubsregelung für den Karfreitag ist mit dem ÖVP-FPÖ-Beschluss keineswegs erledigt. Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft können sich heuer einen "persönlichen Feiertag" nehmen, müssen aber einen Urlaubstag opfern. Allerdings sieht es für 132.000 Bundesbedienstete und Zig-Tausende Landes- und Gemeindebedienstete in Österreich teils anders aus.

Für den Bundesdienst ist die Bundesregierung zuständig. Sie hat sich mit dem Karfreitag-Beschluss für die Privatwirtschaft in eine Zwickmühle gebracht. Für Bundesbedienstete gibt es seit 8. März 1963 eine günstigere Sonderregelung unabhängig vom Religionsbekenntnis. Sie haben seither aufgrund eines Regierungsbeschlusses am Karfreitag einen halben Tag frei und sind damit gegenüber Beschäftigten in der Privatwirtschaft bevorzugt. Im Büro des für den öffentlichen Dienst zuständigen Vizekanzlers Heinz-Christian Strache wurde am Montag erklärt, fix sei diese Sonderregelung für die Bundesbediensteten nicht. Strache hat den Mitarbeitern seines Ressorts im Vorjahr am Karfreitag freigegeben.

In Wien sorgt der Karfreitag bei Personalstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) ebenfalls für Kopfzerbrechen. Für Wiener Gemeindebedienstete gibt es derzeit drei halbe freie Tage: 24. und 31. Dezember sowie Karfreitag. "Es wird gerade angeschaut, wie wir weiter vorgehen", wurde der "Wiener Zeitung" im Stadtratsbüro erklärt. Eine Entscheidung darüber soll es diese Woche geben.

In Graz, Österreichs zweitgrößter Stadt, ist alles klar. Die Stadt Graz wird sich beim Karfreitag an die gesetzliche Regelung der türkis-blauen Koalition im Bund halten, hieß es auf Anfrage im Büro von Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP). Mitarbeiter können sich also einen persönlichen Feiertag in Form eines Urlaubstages nehmen.

Andere ÖVP-Bürgermeister - wie in Eisenstadt - geben Gemeindebediensteten einen Tag Sonderurlaub. In Mödling gewährt der ÖVP-Bürgermeister Evangelen am Karfreitag einen Sonderurlaubstag. All das führte zu Protesten der Neos wegen der Ungleichbehandlung. Die SPÖ nahm das Ausscheren der schwarzen Bürgermeister zum Anlass, die Forderung nach einem Feiertag für alle zu bekräftigen.

Im Burgenland werden Landes- und Gemeindebedienstete am Karfreitag wie gewohnt frei haben. In Kärnten kündigte Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) hingegen eine Regelung mit persönlichem Feiertag mit einem Urlaubstag an. Tirol hält es auch so.

Schweigemarsch gegen Kurz und Reibereien in der Kirche

Nachwehen gibt es auf kirchlicher Ebene. Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker kritisierte in einem Brief an die Pfarrgemeinden, die Regierung habe ein "Versprechen gebrochen". Ein Protest ist am Aschermittwoch bei einem Auftritt von Kanzler Sebastian Kurz in Klagenfurt geplant, ein "Schweigemarsch" von Evangelischen und Altkatholiken. Die Ankündigung zur Teilnahme des Kärntner Diözesanadministrators Engelbert Guggenberger trug diesem eine Schelte der Bischofskonferenz ein, die sich zur Karfreitagslösung bekennt.