Wien. Die FPÖ ist auch bei ihrem 28. Politischen Aschermittwoch in Ried ihrem Motto des verbalen Rundunschlags treu geblieben. Allerdings: Nachdem sie mittlerweile auch Regierungspartei sind, verschonten die Freiheitlichen dieses Jahr aber die ÖVP, ihren Koalitionspartner. Ins Visier nahm die FPÖ dafür die Opposition, wobei sich Obmann Heinz-Christian Strache wie jedes Jahr in der Disziplin des Schenkelklopfers vor 2000 Gästen übte: "In den Medien reden sie ja oft von ‚Vereinigter Opposition‘. Aber das ist eigentlich falsch. In Wahrheit müsste man ‚Vereinsamte Opposition‘ sagen", wetterte Strache. Gleichzeitig unterstrich er die "Erfolge" im ersten Regierungsjahr und nannte dabei: Entlastung der Familien, Zusammenlegung der Sozialversicherungsträger, Kopftuchverbot in Kindergärten, Neugestaltung der Mindestsicherung, um "die Zuwanderung in unser Sozialsystem zu stoppen".

Zudem stimmte sich die FPÖ auf die Europawahl ein. "Ihr kennt ja wahrscheinlich alle den Film ‚Fluch der Karibik‘. Das erinnert doch an die EU. Der Käptn steht schwankend am Steuer, und der Merkel-Macron-Kurs steuert gnadenlos auf ein Riff zu", sagte Strache. Am 26. Mai gehöre dies abgewählt. "Wir stehen für ein Europa der Vaterländer."

Vor Straches Rede, die den umjubelten Höhepunkt des Treffens darstellte, trat EU-Spitzenkandidat Harald Vilimsky auf. "Rot-Weiß-Rot" müsse wieder mehr an Bedeutung gewinnen, betonte er und forderte, dass mehr Kompetenzen zurück an die nationalen Parlamente gehen sollten.

Ein Ex-Boxer im ÖVP-Ring

Im Zeichen des EU-Wahlkampfs stand auch der türkise Polit-Aschermittwoch in der Klagenfurter Messehalle - mit Stargast Vitali Klitschko. Kanzler Sebastian Kurz spannte vor 1300 Besuchern mit einer Bilanz der Regierungstätigkeit den Bogen zur Veranstaltung im Vorjahr - und verwies auf "erste Schritte" bei den Versprechen Schuldenabbau, Steuerentlastung und Eindämmung der illegalen Migration. "Wir haben nach 60 Jahren heuer das erste Mal kein Defizit sondern einen Budgetüberschuss zustande bekommen", sagte der Kanzler in seiner fünfzehnminütigen Rede, verwies auf den Familienbonus seiner Regierung und auf die gesunkenen Flüchtlingszahlen. "Es ist uns gelungen, dass die Veränderung begonnen hat. Aber gleichzeitig haben wir noch viel vor." Kurz nannte etwa Verbesserungen für pflegende Angehörige und die Digitalisierung, die Österreich für sich nutzen solle.

Zuvor hatte der Stargast des Abends, der ukrainische Politiker und Boxchampion Vitali Klitschko, die Bedeutung europäischer Werte beschworen - insbesondere für seine krisengebeutelte Heimat. Die Veranstaltung stand unter dem Motto "Let’s get ready for Europe"- und dementsprechend hielt auch Spitzenkandidat Othmar Karas eine Rede. Er sprach immer wieder von dem wichtigen "Miteinander" in Europa - denn dieses sei "gefährdeter denn je": "Europa ist nicht fertig. Wir stoßen täglich an unsere Grenzen, die Menschen spüren das." Das Miteinander sei die Antwort auf "Populisten, Nationalisten und Egoisten".

Protest und Bischofsschelte

Den politischen Aschermittwoch der ÖVP nutzen die Evangelische Kirche, Katholiken und Alt-Katholiken für einen Protest in Sachen Karfreitag. Gemeinsam riefen sie zu einem "Schweigemarsch" auf. Die Bischofskonferenz kritisierte die angekündigte Teilnahme des Klagenfurter Diözesenadministrators Engelbert Guggenbergers. Man akzeptiere das im Parlament beschlossene Gesetz.