Die Regierung und das Institut für Höhere Studien (IHS) zweifeln die Studie im Detail an: Einerseits seien die verwendeten Daten teilweise aus dem Jahr 1998, andererseits sei das schlechte Abschneiden im Bildungsbereich nicht nachvollziehbar.

Das Ranking beim Auseinanderklaffen der Chancengleichheit von Frauen und Männern ergibt sich aus fünf verschiedenen Parametern: Teilnahme am Wirtschaftsleben (Economic Participation), Chancen in der Wirtschaft (Economic Opportunity), Teilnahme am politischen Leben (Political Empowerment), Bildungszugang (Educational Attainment) und Gesundheitsbereich (Health und Well-Being).

Dabei zeigt sich, dass Österreich beim "Gender Gap" im Bildungszugang an 20. Stelle von 24 EU-Staaten liegt. Bei der Teilnahme am Wirtschaftsleben belegt Österreich den 19. Rang, bei Chancen in der Wirtschaft den 15. Platz. An zwölfter stelle liegt Österreich bei der Teilnahme am politischen Leben und den neunten Rang gibt es im Gesundheitsbereich.

Vor allem die Bewertung im Bildungsbereich kann die IHS-Expertin Angela Wroblewski "schwer nachvollziehen": Immerhin würden mittlerweile mehr Mädchen als Buben Matura machen und auch an den Universitäten hätten Frauen gleichgezogen. Sie sieht eher das Problem beim Ausfall von gut ausgebildeten Frauen: Dadurch würden wertvolle Ressourcen verloren gehen und das mindere die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes.

ÖVP-Frauensprecherin Elisabeth Scheucher-Pichler hatte zwei Erklärungen für den schlechten Platz Österreichs parat: Erstens seien einige der verwendeten Daten aus dem Jahr 1998 und damals seien die Sozial-, Frauen- und Arbeitsagenden in sozialdemokratischer Hand gewesen. Zweitens würden die Maßnahmen der Regierung seit dem Jahr 2000 - wie die Steuerreform 2005, das Kinderbetreuungsgeld, die Pensionsreform - nicht berücksichtigt.

Die Gewerkschafterin Renate Csörgits kommentierte das Studienergebnis mit "beschämend, aber wenig überraschend". Die Forderung nach "gleichem Lohn für gleiche Arbeit" sei leider nach wie vor aktuell, ebenso der notwendige Ausbau an Kinderbetreuungsplätzen und eine Reform des Kinderbetreuungsgeldes.

Für die Oppositionsparteien ist die WEF-Analyse Anlass, ein Sofortprogramm für Frauen zu fordern. Die Regierung ignoriere die Probleme völlig, kritisierte SPÖ-Frauensprecherin Gabriele Heinisch-Hosek. Grünen-Frauensprecherin Brigid Weinzinger sprach von einem veralteten Weltbild in den Köpfen der Regierenden.