"Noch", so stellte Klasnic bei einer am Sonntagmittag eilig einberufenen Pressekonferenz, um die Hintergründe der Entscheidung vom Vortag zu erläutern, klar, sei "der Herbert noch da". Paierl werde das Mandat in der Landesregierung erst "in einiger Zeit", sicher aber vor der Landtagswahl im Herbst 2005, zurücklegen.

Entschieden wurde der Rückzug des Wirtschaftslandesrats, der sich seit Monaten mit dem gefeuerten EStAG-Vorstand und früheren VP-Landesrat Gerhard Hirschmann in den Haaren liegt, offenbar in einer parteiinternen Krisensitzung Samstagabend, denn noch zu Mittag hatte die Landshauptfrau im ORF-Radio gemeint, dass die ganze Angelegenheit derzeit noch nicht entscheidungsreif sei. Nur wenig später wurde dann aber scheinbar doch Klartext gesprochen. Am Abend wurde bekannt, dass Paierl gehen wird.

Offen blieb gestern, von wem die Initiative für diesen Schritt ausgegangen ist - auf Drängen Klasnics oder aber von Paierl selbst? Der Entschluss zum Rückritt sei "eine Folge von Gesprächen" gewesen, lautete die ausweichende Antwort der Landeshauptfrau. Der Schritt Paierls sei ein "Opfer für die Partei", nicht aber ein Schuldeingeständnis.

Klasnic, die die Verdienste Paierls würdigte, erklärte im Hinblick auf die offenen Fragen rund um die EStAG-Affäre, Paierl "ist nun frei, um aufklären zu können, weil er nicht selbst betroffen ist und fürchten muss, dass die Volkspartei sich voll verheddert".

Die Reaktionen auf den Abtritt des Landesrats fielen unterschiedlich aus. Wirtschaftsminister Bartenstein bedauerte den Rückzug "sehr", habe Paierl doch ausgezeichnete Arbeit geleistet. Anders die Einschätzung der SPÖ.

Für Bundesgeschäftsführerin Bures ist die ganze Angelegenheit für die ÖVP "noch lange nicht ausgestanden", habe doch Hirschmann mehrfach betont, dass auch Klasnic über die Missstände bei der EStAG informiert gewesen sei. Auf ähnlicher Linie bewegte sich der steirische SPÖ-Chef LHStv. Franz Voves. Der Schritt Paierls sei höchst an der Zeit, "aber leider zum Schaden des Landes um ein ganzes Jahr zu spät". Die Grünen sehen Paierl eher als "Bauernopfer". Und aus der Landes-FPÖ hieß es, die ÖVP könne sich mit der Aktion nicht "reinwaschen". Ungewohnte mediale Ruhe herrschte dagegen seitens der beiden Konkurrenten Hirschmann, der noch am Freitag seine Vorwürfe vor dem U-Ausschuss verstärkte, und Paierl.