Worin werden nun die Gründe dafür gesehen? Die Rate der Studienabbrecher ist niedriger. Wer unter diesen Bedingen sein Informatikstudium begonnen hat, zieht es häufiger durch.

Konkurrenz durch Fachhochschulen

Die Registrierungsfrist für das Aufnahmeverfahren für Bachelor Informatik und Wirtschaftswissenschaften an der TU Wien für das kommende Herbstsemester ist übrigens seit 7. März im Laufen. Die Frist endet am 15. Mai.

Insgesamt zählt die TU Wien im laufenden Sommersemester 29.466 Studierende. Zum Vergleich: Im Wintersemester 2016 waren es noch 31.368, im Wintersemester 2014 immerhin 31.310. Bei den Studienanfängern wurden im Wintersemester 2014 noch 6157 Neuzugelassene gezählt, im vergangenen Wintersemester 2018 waren es 5271.

Ein Rückgang der Zahl der Studenten wurde auch an der Technischen Universität Graz verzeichnet. Dort wird neben der sinkenden Zahl an Maturanten ebenfalls auf das "breitere Angebot" für Schüler nach der Schule verwiesen. Barbara Gigler, Pressesprecherin an der TU Graz, nennt der "Wiener Zeitung" außerdem noch einen weiteren Grund für den rückläufigen Andrang in der steirischen Landeshauptstadt: Die aufgrund der Konjunktur gute Situation auf dem Arbeitsmarkt habe dazu beigetragen, dass manche nach dem Schulabschluss sofort arbeiten gehen. Möglicherweise habe sogar das schlechte Abschneiden der Maturanten bei der Zentralmatura im vergangenen Frühsommer Auswirkungen gehabt.

An der TU Graz ist die Zahl der Studienanfänger von 1751 um 31 auf 1720 im abgelaufenen Herbstsemester 2018/19 gesunken. Insgesamt zählt man knapp 13.800 Studenten.

Die technischen Universitäten werben um potenzielle Hörer. "Wir sind da schon sehr aktiv", wird in Graz versichert, etwa im IT- und Chemiebereich. Am mangelnder Werbung und Engagement sollte es nicht liegen: Es gibt sogar eine Zusammenarbeit der beiden Technischen Unis in Graz und der Montanuniversität in Leoben. Damit das Studium mehr Faszination ausübt, gibt es an der TU Graz auch Studienteams, die an internationalen Wettbewerben teilnehmen, etwa in Robotik oder im Energiebereich. Trotz Ausweitung der Zugangsbeschränkungen ist der freie Hochschulzugang die Norm. Nach einer Aufstellung des Bildungsministeriums gibt es für 88 Prozent der Bachelor- und Diplomstudienrichtungen einen unbeschränkten Zugang.

Aufnahmeverfahren für
40 Prozent der Anfänger

Auffallend ist: Der Andrang an den Unis ist ganz unterschiedlich. Gut jeder Zweite wählt eines der 20 am meisten nachgefragten Fächer. Zu diesen zählen Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Jus, Wirtschaftsrecht, Pädagogik, Informatik und Biologie. Das hat zur Folge, dass mit Stand vom Jänner dieses Jahres 40 Prozent der Studienanfänger ein Aufnahmeverfahren absolvieren mussten, weil sie in ein überlaufenes Fach drängen.

In den meisten Fächern liegt die Entscheidung bei den Universitäten, ob sie Zugangsbeschränkungen einführen. Momentan dürfen in den Studienfeldern Architektur/Städteplanung, Biologie/Biochemie, Publizistik/Kommunikationswissenschaft, Informatik, Pharmazie und Wirtschaftswissenschaften Aufnahme und Auswahlverfahren durchgeführt werden. Ab dem Wintersemester 2019/20 ist das auch bei Jus, Erziehungswissenschaften und Fremdsprachen möglich.

Der SPÖ sind die Zugangshürden ein Dorn im Auge. SPÖ-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl warnt vor einer Verschärfung der Situation. In den nächsten Jahren drohe ein Minus von 20.000 Studienplätzen an Universitäten. Dem stehe der "magere Ausbau" der Fachhochschulen um 4500 neue Plätze gegenüber.