Wien. (jm) Aus städtischer Sicht gibt es in der niederösterreichischen Gemeinde Laab im Walde im Bezirk Mödling weder viel zu erleben noch viel zu sehen. Ein Rehabilitationszentrum, ein Gasthaus, eine kleine Bar und einen Nahversorger, der von seinen mehr als 1100 Bewohnern liebevoll "Naso" genannt wird.

Der Nahversorger ist für den Ort aber mindestens so essenziell wie das Gasthaus und die Vereine. Sowohl aus wirtschaftlicher als auch sozialer Sicht.

Der "Naso" ist nicht nur ein kleiner Supermarkt, sondern auch eine Trafik und ein Café. Für Jung und Alt ist das kleine Geschäft nahe dem Hauptplatz zu einem wichtigen Treffpunkt geworden. Gegründet wurde es 2008 von der Familie Niederreiter, die in Laab im Walde stark verwurzelt ist. Beliefert wird der Nahversorger täglich mit frischen Lebensmitteln und Waren aus der Region. An einem Online-Shop wird gerade gearbeitet.

Wie wichtig die Nahversorgung für das Ortsleben ist, damit hat sich der zweite Dorfleben-Report befasst, den die Handelskette Adeg der Rewe-Gruppe in Kooperation mit dem Gemeindebund herausgibt. Befragt wurden 1000 Bewohner in Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern.

Im Ort verwurzelt

Dass am Land nur tote Hose sei, sei ein ausschließlich städtischer Blick, sagt der beauftragte Politikwissenschafter Peter Filzmaier. Knapp 80 Prozent der befragten Dorfbewohner empfinden ihren Ort als lebendig. Am wichtigsten dafür seien Vereine, Unternehmen und Gemeindevertreter.

Denen, die ihre Gemeinde als nicht lebendig beschreiben, fehlt es vor allem an Geschäften und Gastronomie. Die allermeisten Dorfbewohner meinen, dass Infrastruktur und Arbeitsplätze eine wichtige Rolle dabei spielen, ob ein Ort funktioniert. "Nahversorgung ist unverzichtbar für ein lebendiges Dorf", sagt Gemeindebundpräsident Alfred Riedl (ÖVP).

Die Nahversorgung erfülle in mehrfacher Hinsicht einen wichtigen Zweck. Die Befragten sehen sie als einen sozialen Treffpunkt, als "eine Art zweiten Dorfplatz", sagt Filzmaier. Es sei laut Report ein Unterschied, ob die Nahversorgung durch einen Supermarkt oder durch selbständige Kaufleute - wie in Laab im Walde - verrichtet wird. Wobei auch die 400 Filialen der Adeg-Kette von Selbständigen betrieben werden. Die Mehrheit der Befragten sieht Selbständige im Ort verwurzelt. Außerdem würden deren Geschäfte öfter im Ortskern liegen, und sie hätten mehr Produkte aus der Region im Angebot.

Die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Nahversorgung ist für 80 Prozent der Befragten die wichtigste Leistung von Unternehmen im Ort, die daher für das Dorfleben eminent seien. Etwa ein Drittel kann sich vorstellen, sich selbständig zu machen.

Dennoch ist es nicht für alle ein Leichtes, ein Geschäft aufzumachen. Als Hemmnis wurden mangelndes Kapital, fehlendes Wissen und geeignete Geschäftspartner genannt.

Um Dorfbewohnern die Selbständigkeit zu erleichtern, bedürfe es einer gut ausgebauten Infrastruktur am Land. Es brauche Unterstützung und Förderung durch die öffentliche Hand, sagt Filzmaier. Eine gute Dorfstruktur sei ein öffentlicher Auftrag. Die könne nicht nur dort errichtet werden, wo es sich rechnet.