Wien. (apa) Der ÖVP-nahe, 43 Jahre alte Tiroler Thomas Schmid wird erster Geschäftsführer der Staatsholding Öbag, der Nachfolgegesellschaft von Öbib und ÖIAG, die die Staatsbeteiligungen an wichtigen Unternehmen verwaltet. Schmid soll in dieser Funktion in die Aufsichtsräte von Beteiligungsunternehmen einziehen, in jenem der Lotterien etwa sitzt er bereits. Die Karriereleiter erklomm Schmid in der ÖVP und gilt heute als Vertrauter von Bundeskanzler Sebastian Kurz.

Der offiziell parteilose Doppel-Magister - er ist Jurist und Politikwissenschafter - war schon Büroleiter von Ex-Bundeskanzler und Wolfgang Schüssel und in den Jahren 2004/2005 auch einmal Pressesprecher von Karl Heinz Grasser, als dieser Finanzminister war. Auch für die ÖVP-Minister Michael Spindelegger (Äußeres) und Elisabeth Gehrer (Unterricht) übernahm er die Tätigkeit des Sprechers.

Aufstieg zum Generalsekretär

Spindelegger, als dessen Adlatus Schmid jahrelang galt, machte diesen Ende 2013 als Finanzminister schließlich zum Kabinettschef im Finanzministerium. Unter dem späteren Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) wurde Schmid zum Generalsekretär des Finanzministeriums bestellt. In dieser Funktion wurde Schmid vom damaligen freiheitlichen Generalsekretär Herbert Kickl unter anderen Personen rund um Anti-Terror-Schutzbauten am Ballhausplatz angegriffen - ÖVP und FPÖ befanden sich schließlich noch nicht in aktueller koalitionärer Partnerschaft. Schmid komme eine Schlüsselrolle beim Mauerbau zu, der einen massiven Schaden verursacht habe, kritisierte Kickl im September 2017, also im Wahlkampf zur vergangenen Nationalratswahl.

Jetzt-Klubchef Bruno Rossmann vermutete, dass Schmid als Generalsekretär im Finanzministerium im Jahr 2017 ohne rechtliche Grundlage Weisungen an Mitarbeiter gab, u. a. auf Beauftragung einer deutschen Firma mit der Organisationsdiagnose. In einer Sachverhaltsdarstellung ersucht Rossmann die Staatsanwaltschaft um Überprüfung. Denn zu diesem Zeitpunkt waren Generalsekretäre im Gegensatz zur Jetztzeit noch nicht weisungsbefugt.

Schon als das Gesetz zur Umfirmierung der Öbib zur Öbag in Begutachtung ging, schrieben Medien: "Schmid gilt als fix für den Sessel des Geschäftsführers. Die dafür relevanten Entscheidungsträger in der ÖVP haben ihr Okay gegeben", schrieb das Magazin "Trend" Ende September des Vorjahres. Schon damals mutmaßte das Magazin, dass sich Schmid bereits akribisch auf die Geschäftsführerarbeit vorbereitet hätte.

Vorbereitungen auf den Job

Eine akribische Vorbereitung auf den Job im Dienste aller Österreicher ist auch sicher keine schlechte Idee: Schließlich soll die neue Öbag die Bundesbeteiligungen wieder aktiver managen als ihre Vorgängergesellschaft. Daher soll Schmid selbst in die Aufsichtsräte der Beteiligungsfirmen einziehen; am besten als Vorsitzender. Das Gesamtportfolio im Besitz der Republik beläuft sich auf rund 23 Milliarden Euro. Erfahrung in Sachen Aufsichtsratstätigkeit hat Schmid auch bereits aufgrund von Aufsichtsratssitzen in der Bundestheaterholding und bei der KA Finanz.

Die Öbag werde im Gegensatz zur verwaltungsorientierten Öbib ein aktives Beteiligungsmanagement sichern, sagte Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) zur neuen Staatsholding. Die Verbund-Anteile bleiben zwar beim Finanzministerium, werden nun aber von der Öbag verwaltet.

Schmid löst den Interimschef Walter Jöstl ab.