So gut wie alle relevanten Kader der Identitären seien in deutschnationalen und völkischen Verbindungen, die in der Szene den Ton angeben, weil sie gebildeter seien und in anderen Szenen des Rechtsextremismus bis hin zum verbotenen Teil Neonazismus Führungspositionen innehätten. Darüber hinaus ist ein großer Teil der FPÖ-Politiker Mitglied in einer Burschenschaft.

Die neue Jugendorganisation

Die Identitären hätten laut Peham den Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ), die Jugendorganisation der FPÖ, abgelöst, weil der Ring die Grenze am rechten Rand ausgereizt habe. In Tirol wurde der von Neonazis unterwanderte Ring 2010 von der eigenen Landespartei nach dem Verbotsgesetz angezeigt und aufgelöst.

Nun seien die Identitären eine Jugendorganisation, derer sich die FPÖ in gewisser Weise bedienen könne, und sie seien eine Rekrutierungsorganisation für die verstaubten Burschenschaften, sagt Peham, "um die jungen Männer an das Milieu zu gewöhnen". Der Forscher beobachtete 15-Jährige, die zunächst bei den Identitären waren und dann zu Burschenschaften wechselten. Zwischen RFJ und Identitären gebe es auch Arbeitsteilung. Die jungen Blauen im Burgenland warben laut Peham etwa mit "Wer Identitäre Inhalte teilt, wählt FPÖ".

Wie eng verwoben FPÖ, Identitäre und Burschenschaften sind, zeigt sich am Netzwerk des rechtsextremen Magazins "Info-Direkt", das ein Naheverhältnis zu identitären Inhalten pflegt. Daran sind zwei FPÖ-Mitarbeiter beteiligt, beide sind Burschenschafter.

Das Problem der Regierung und für Kurz mit dem rechtsextremen Rand der FPÖ endet also nicht mit der Distanz zu den Identitären. "Es reicht viel weiter", sagt Peham. Laut dem Rechtsextremismusexperten sei das gesamte Netz des deutschnationalen Lagers innerhalb der FPÖ ein Problem. Dieses sei nicht zur Gänze, aber zu weiten Teilen rechtsextrem. Da die FPÖ Teil der Szene sei, werde dieses immer ein Problem bleiben. "Außer man streicht, wie Jörg Haider einst, das Bekenntnis zur deutschen Volksgemeinschaft - der ist aber daran gescheitert."

Der Konflikt innerhalb der Regierung wird sich nicht so rasch auflösen. Der ehemalige FPÖ-Abgeordnete und Herausgeber der deutschnationalen Wochenzeitung "Zur Zeit", Andreas Mölzer, hatte in Ö1 anklingen lassen, dass sich der rechte Rand im Kampf um die Identitären nicht einfach so geschlagen geben werde. In der Online-Ausgabe von "Zur Zeit" fanden sich am Freitag zwei Artikel, die Kanzler Kurz in die Mangel nahmen - einer endete drastisch: "Wenn er die FPÖ nicht dulden kann, dann soll er die Konsequenz daraus ziehen und die Koalition beenden."