Dass eine Mitgliederliste der Identitären mit 364 Namen, angelegt als "Anlassbericht" vom Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), am Donnerstag via "Salzburger Nachrichten" und ORF-"Zeit im Bild 2" an die Öffentlichkeit gelangte, "verärgert" den Chef der Behörde, Peter Gridling. Die Mitgliederliste, die auch mindestens drei FPÖ-Politiker enthält, war Gegenstand einer justiziellen Ermittlung im Auftrag der Staatsanwaltschaft für den Identitären-Prozess 2018 in Graz. "Was nun medial zitiert wird, ist alles aus Berichten für die Staatsanwaltschaft", sagt Gridling zur "Wiener Zeitung". 

"Alles, was in der Öffentlichkeit erörtert wird, hilft uns nicht, ist wenig geeignet, um Vertrauen in die Organisation zu erwecken", sagt Gridling. Zuletzt berichteten internationale Medien wie die BBC oder der "Spiegel" über eine mögliche Isolation des heimischen Staatsschutzes bei ausländischen Partnerdiensten. Den Medienberichten zufolge sollen der britische MI5 und der niederländische Geheimdienst AVID die Zusammenarbeit mit dem österreichischen BVT eingestellt haben. Hintergrund sind sowohl die Razzia im BVT am 27. Februar 2018 als auch der Freundschaftsvertrag der FPÖ, die sowohl Innen- als auch Verteidigungsressort mit den dazugehörigen Geheimdiensten innehat, mit der Putin-Partei "Einiges Russland".

Der Verfassungsschutz könne nicht verhindern, wenn Dinge "aus irgendwelchen Quellen herausgespielt werden", sagt Gridling. Dies sei "nicht in unserem Interesse". Wenn Interna einmal das Haus verlassen und weitere Kreise gezogen haben, "dann können wir nicht für alles eine Garantie übernehmen". Ob die Mitgliederliste aus Akten des BVT-U-Ausschusses stammen könnte, wollte Gridling nicht kommentieren. "Das BVT ist nicht dazu da, um Politik zu machen", sagt Gridling. "Wir sind eine Ermittlungsbehörde und unterliegen der Amtsverschwiegenheit."