Mit Michaela Langer-Weninger wird erstmals in Österreich Präsidentin einer Landwirtschaftskammer. Sie löst in Oberösterreich Franz Reisecker ab. 
Mit Michaela Langer-Weninger wird erstmals in Österreich Präsidentin einer Landwirtschaftskammer. Sie löst in Oberösterreich Franz Reisecker ab. 

Linz/Wien. Viele Frauen führen längst allein einen Hof, sie sind in Landtagen und im Nationalrat vertreten. Aber erst knapp 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs schafft erstmals eine Frau den Sprung auf den Sessel eines Landwirtschaftskammerchefs. Die bundesweite Premiere ist jetzt in Oberösterreich fix: die 40jährige ÖVP-Landtagsabgeordnete Michaela Langer-Weninger ist vom schwarzen Bauernbund als Nachfolgerin von Franz Reisecker als Präsidentin der Landeslandwirtschaftskammer designiert worden.

In Innerschwand am Mondsee im Bezirk Vöcklabruck bewirtschaftet die künftige Kammerchefin mit ihrer Familie einen Bio-Hof, auf dem Heumilch produziert wird. Das Faktum, dass sie selbst einen Bauernhof betreibt, war ihrem Vorgänger wichtig. Es soll nicht jemand Kammerchef oder -chefin  sein, der die Arbeit in der Landwirtschaft nur vom Schreibtisch aus kennt. Für Reisecker steht bei der Entscheidung nicht die Geschlechterfrage im Vordergurnd. "Ich habe immer gesagt, für mich ist das Geschlecht nicht entscheidend", betont er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Mit 40 Jahren sei die designierte Nachfolgerin auch im richtigen Alter. Er sieht darin auch ein "klares Signal" dafür, wie sehr mittlerweile die Frauen in der Landwirtschaft arbeiten und mitentscheiden.

parteilogos

Zehn Jahre politische Erfahrung im Landtag

 Poliitisch hat sie zehn Jahre Erfahrung für die Volkspartei im oberösterreichischen Landtag gesammelt. Seit rund zwei Jahren ist sie auch Mitglied des ÖVP-Landesparteivorstandes. Sie habe auch "gute Ideen", meint der scheidende Präsident, der sein Amt offiziell am 27. Juni an die erste Frau an der Spitze einer Landwirtschaftskammer in Österreich übergeben wird.

Langer-Weninger möchte vermeiden, dass die Bauernschaft unter sich bleibt und nur mit ihren Forderungen nach außen hin auftritt. Der Bio-Bäuerin geht es darum, mit der Gesellschaft über die Rolle der Landwirtschaft zu diskutieren. Für sie steht der Stellenwert des bäuerlichen Familienbetriebs im Vordergrund. Dieser steht für die designierte Präsidentin im Gegensatz zu Agrarfabriken, wie sie in anderen EU-Staaten bestehen. Mit der Betonung des Werts heimischer Familiebeitriebe für die Landschaft in Österreich soll bei der gesamten Bevölkerung für Verständnis für Anliegen der Landwirte, die mit hartem internationalen Wettbewerb konfrontiert sind, geworben werden.

Die neue Präsidentin ist Mutter von drei Kindern

Im ÖVP-Bauernbund werden ihr Rosen gestreut. Er habe sie als "engagierte und zukunftsorientierte Frau kennengelernt", hob der österreichische Bauernbundchef und ÖVP-Parlamentarier Georg Strasser hervor. Sie habe ihr Durchsetzungsvermögen schon als Landtagsabgeordnete bewiesen.

Daheim am Aichriedlhof wird Langer-Weninger künftig noch mehr die Unterstützung ihrer Familie und ihres Ehemannes brauchen. Dazu kommt für die erste Frau an der Spitze einer Landwirtschaftskammer privat weiter die Mutterrolle für ihre drei Kinder.