Wien. 19. April 2019, kein Karfreitag wie jeder andere. "Karfreitag ist kein Feiertag mehr! Am 19. 4. gemeinsam Urlaub nehmen." Der Schaukasten bei der Evangelischen Auferstehungskirche in Wien-Neubau verweist schon seit längerem darauf, Arbeitnehmer könnten sich Hilfe holen, um diesen Tag als persönlichen Feiertag zu beantragen.

Für rund 300.000 Menschen mit evangelischem Bekenntnis ist der Karfreitag heuer nicht mehr automatisch ein arbeitsfreier Feiertag. Den hat die Bundesregierung als Reaktion auf ein Erkenntnis des Europäischen Gerichtshofs gestrichen. Arbeitnehmer mussten schon vor Wochen um einen persönlichen Feiertag ansuchen, der als Urlaubstag gilt.

Trotz der massiven Tür ist der Lärm vorbeifahrender Autos drinnen im Vorraum beim Gottesdienst in der Lindengasse 44 zu hören. Mehr empört Besucher aber die Entscheidung der türkis-blauen Koalition. "Es ist eine Frechheit, den Evangelischen diesen Feiertag zu nehmen", meinen zwei ältere Frauen, Monika Schacht und Renee Horvath, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" unisono. Horvath ergänzt, auch der evangelische Bischof Micheal Bünker "hätte energischer sein müssen." Inga Matschnig geht weiter. "Ich hätte nichts dagegen, wenn auch die Katholiken frei haben."

Offenbar haben etliche Gläubige aus der evangelischen Pfarrgemeinde nach Augsburger Bekenntnis Neubau-Fünfhaus an dem Karfreitagvormittag mit dem Besuch des Gottesdienstes ein bewusstes, stilles Zeichen gegen die Regierung setzen wollen. An die hundert Besucher feiern mit. "Eindeutig mehr als sonst", freut sich die ehrenamtliche Küsterin.

Chance zum Dampfablassen und Innehahlten

Pfarrer Hans-Jürgen Deml hat beim Ausgang auf einem Tisch neben einigen Foldern und der Bibel eine "kleine Umfrage" zum Karfreitag auf einem weißen Blatt Papier aufgelegt. "Wie geht es Dir/Ihnen mit der neuen Regelung in Österreich?", lautet die erste der beiden Fragen. Das sei "sozusagen mehr zum Dampfablassen" gewesen, erklärt Deml der "Wiener Zeitung". Die Antworten darauf seien "ganz verschieden" gewesen, von völlig ablehnend bis hin zu akzeptabel.

Dem Pfarrer war vor allem die zweite Frage wichtig: "Was bedeutet das Innehalten am Karfreitag für Dich/Sie persönlich?" Manche Antworten seien ganz kurz gewesen, wie "Zeit für meinen Glauben", andere sehr ausführlich. Da habe einer dann geschrieben, müsste er an einem Karfreitag arbeiten gehen, "würde ich im schwarzen Anzug kommen". Damit wolle er zum Nachdenken über den Karfreitag anregen.