Wien. Nachdem FPÖ-Verkehrsminister Norbert Hofer beim Thema Abbiege-Assistenten für LKW nach einem tödlichen Unfall in Wien zuerst Unterstützung signalisiert, dann aber eine Kehrtwende hingelegt hatte, ließ der ÖAMTC einige Modelle testen. Nun liegt das Ergebnis vor: Es gibt bereits einige gut funktionierende Nachrüstungslösungen. Im Test besonders überzeugt habe das Nachrüst-System AAS von MEKRA Lang. "Auch wenn nicht jeder Assistent in jedem Szenario gleich zuverlässig arbeitet, erfüllen alle vier getesteten Systeme die Voraussetzungen, die etwa in Deutschland gelten, um eine Förderung für die Nachrüstung zu erhalten", sagt Gerhard Blümel, Lkw-Experte des ÖAMTC.

Die Kombination aus Radarsensor und Kamera-Monitor-System habe sich als sehr zuverlässig erwiesen, so die ÖAMTC-Experten. Diese Technologie können "mehrere stationäre und bewegliche Objekte gleichzeitig erfassen und differenzieren", bei Versuchen im realen Verkehrsgeschehen kam es zu keinerlei Fehlauslösungen.

Bei Nachrüstungen hatte Hofer bereits die Möglichkeit einer Förderung zugesagt. Die EU sieht die verpflichtende Serienausstattung mit Abbiegeassistenten erst spätestens ab 2022 in allen neuen Fahrzeugtypen und ab 2024 in allen Neufahrzeugen vor. Aus Sicht des Mobilitätsclubs bedeutet das allerdings nicht, dass die Lkw-Hersteller bis dahin warten müssen. "Eine Typisierung von Lkw mit neuen Abbiegeassistenten sollte nach jetzigem Kenntnisstand ab Oktober 2019 möglich sein. Bis dahin werden voraussichtlich die genauen Spezifikationen stehen, die die Systeme ab 2022 erfüllen müssen. Somit steht einer freiwilligen Serienausstattung, die noch heuer beginnen kann, nichts entgegen", so ÖAMTC-Direktor Oliver Schmerold.

VCÖ fühlt sich bestätigt 

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) fühlt sich durch die ÖAMTC-Test bestätigt. "Die heute veröffentlichten Testergebnisse bestätigen, was wir und andere Fachleute seit Monaten sagen: Es gibt bereits heute Lkw-Abbiegeassistenten, die gut funktionieren", sagt VCÖ-Experte Markus Gansterer. Darüber hinnaus fordert der VCÖ die Schaffung von rechtlichen Grundlagen, damit Städte und Gemeinden für LKW, die aufgrund ihres "toten Winkels" ein Sicherheitsrisiko sind, Fahrverbote erlassen können.

 Wichtig für die Sicherheit von Fußgängern, insbesondere für Kinder und ältere Menschen, sei auch die Verbesserung der Sicht in Kreuzungsbereichen. Der VCÖ will dafür eine Ausweitung de Halte- und Parkverbots vor Schutzwegen von fünf auf zehn Meter. "Aufgrund des boomenden Online-Handels nimmt die Zahl der Klein-Transporter massiv zu, zudem werden die Autos insgesamt größer und höher", schreibt der VCÖ in einer Aussendung. Dadurch würde Autofahrern die Sicht auf Fußgänger und dabei insbesondere auf Kinder, die die Straße überqueren möchten, durch parkende Autos verstellt.