Es geht um gesellschaftlichen Zusammenhalt und um die Möglichkeit, sich in den politischen Diskurs einzubringen - ob das nun auf einer nationalen oder supranationalen Ebene ist. Nur wenn man die politischen Strukturen der Demokratie kennt, kann man seine Rechte artikulieren. Wissen gehört dazu: über Bund, Land, Gemeinden, die Republik, die EU. Politisches Wissen ist die beste Firewall gegen Populismus.

Was muss die Schule dazu tun? Muss sie zeigen, welche Möglichkeiten der demokratischen politischen Artikulation es für Schülerinnen und Schüler gibt?

Ich halte das für den zentralen Auftrag an die ganze Gesellschaft und an die Schule Alle müssen hier an einem Strang ziehen. Demokratiepolitisches Denken sollte in jeder pädagogischen Interaktion eine Rolle spielen - das heißt, Politische Bildung gehört in jedes Unterrichtsfach. Politische Bildung ist wichtig, aber man muss vorsichtig sein, was Parteipolitik betrifft. Alle demokratisch wählbaren Parteien müssen für die Schüler einschätzbar und wählbar bleiben. Es sollte darum gehen, sich etwa mit Wahlprogrammen auseinanderzusetzen, die Parteien unterscheiden zu lernen und über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.

Welche Rolle spielt die Schülervertretung beim Erlernen von Demokratie?

Es kommt darauf an, die Schüler in ihrer politischen Funktion in der Schule anzuerkennen, ernst zu nehmen und auch zu fordern. Wir erwarten an unserer Schule von den Schülervertretern, dass wir uns auf Augenhöhe im partnerschaftlichen Gespräch begegnen. Im Schulgemeinschaftsausschuss beschließen die Schüler Schulentwicklungsprojekte und wichtige Themen der Schule aktiv mit. Ich halte das für sehr zentral. Und je ernster man diese Rolle nimmt, die offene Diskussion fördert und das Finden von Konsens und Kompromiss ermöglicht, umso mehr profitieren Schule und Schüler.

Bei der letzten EU-Wahl 2014 war die Wahlbeteiligung junger Menschen sehr gering. Wie ist das bei den Wahlen zur Schülervertretung an Ihrer Schule?

Bei uns ist die Wahlbeteiligung mit 70 bis 80 Prozent sehr hoch. Wir schaffen Raum, damit sich Kandidaten mit einem Programm präsentieren. Sie haben die Chance zu sagen, wofür sie stehen. Man wählt keine Listen, sondern Persönlichkeiten. Mit einem ähnlichen Prinzip wollen wir unsere Schüler auch motivieren, an der EU-Wahl teilzunehmen, denn wir wollen zeigen, dass Demokratie nicht nur ein Recht ist, sondern auch Pflichten mit sich bringt - etwa die, zur Wahl zu gehen. Wir haben Vertreter der Parteien, die zur Wahl antreten und im Parlament vertreten sind, zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Wir unterstützen die Kampagne, "Diesmal wähle ich.eu". Wir wollen, dass die Schüler lernen, die Positionen zu unterscheiden und nicht nur aufgrund von Sympathie oder Optik entscheiden.

Welche Rolle spielen Auslandserfahrungen für die Einstellung von Schülern zur EU?

Wir fahren jedes Jahr mit allen Maturaklassen zu einer EU-Institution, also entweder nach Brüssel oder nach Straßburg. Um die EU begreifbar zu machen, ist es wichtig, das EU-Parlament zu erleben und die österreichischen Vertreter kennenzulernen. Unsere Schüler kommen über das "Erasmus+"-Programm und von der Schule organisierte Auslandsreisen bzw. -praktika mit anderen EU-Bürgern, anderen Sprachen und Kulturen in Kontakt. Wir haben ein Pflichtpraktikum von 300 Stunden an der HAK, bei dem wir auch Auslandspraktika ermöglichen, ebenso bei der sogenannten "Workexperience". Das Erasmus+-Programm bauen wir gerade aus. Wir waren kürzlich mit einer Gruppe bei einer italienischen Partnerschule und suchen aktiv den Kontakt zu europäischen Schulnetzwerken. Alles, was Menschen persönlich zusammenbringt, ist aus meiner Sicht im Sinne der demokratiepolitischen Bildung zu unterstützen.

Werden Sie am 26. Mai wählen gehen?

Selbstverständlich! Meine Wahlkarte ist mit Handy-Signatur bereits bestellt.