Graz. Dass es in Österreich am Abend, in der Nacht und an Wochenenden sowie Feiertagen hausärztliche Versorgungslücken gibt, ist hinlänglich bekannt. Dass diese am Land besonders virulent sind, ist ebenso kein Geheimnis. Mit Fieber, einer Schnittwunde oder einer Lebensmittelvergiftung bleibt oft nur der Weg ins teure Spital. Der in Relation günstigere Hausarzt hat zu später Stunde vielleicht schon zu oder ist gerade nicht erreichbar.

Diese Versorgungslücken werden offensichtlich immer seltener von der öffentlichen Hand geschlossen, weshalb sie von privaten Anbietern besetzt werden. Für sich erkannt hat das beispielsweise der Versicherungsdienstleister Uniqa. Im Februar 2017 startete dieser das Projekt "Akut-Versorgt", um mit Allgemeinmedizinern in den eigenen Privatspitälern das ausgedünnte Bereitschaftsdienstmodell der Kassen-Hausärzte zu servicieren.

Der Arztbesuch wird telefonisch über den Kundendienst vereinbart. Verfügbar ist die Behandlung nur für Uniqa-Sonderklasse-Kunden und kostet zusätzlich 5,86 Euro pro Monat. Die ersten 14 Monate sind gratis. Das hat einen niederschwelligen Netflix-Abo-Charakter. Doch was bedeutet der Vorstoß der Privaten für das Gesundheitssystem? Wird hier schleichend die Privatisierung des Systems vorangetrieben?

Ein Zeichen des Marktes

Das Uniqa-Projekt will jedenfalls wachsen. Nach ersten Standorten in Wien und Salzburg hat die Uniqa kürzlich die nächste eigene Privatklinik in Graz-Ragnitz für ihr Projekt mit neun Millionen Euro aufgerüstet. Standorte in Vorarlberg und Kärnten sollen noch heuer folgen. Dann will sich die Uniqa in den Ballungszentren noch weiter ausbreiten und auch das ein oder andere Ärzte-Netzwerk für das Projekt gewinnen.

Die Uniqa schließt Verträge mit dem jeweiligen Spital oder der Praxisgemeinschaft ab. Diesen zahlt sie ein Entgelt dafür, dass sie die Leistungen zur Verfügung stellen. Mit dem Honorar für Ärzte, die diese Leistung erbringen, habe der Versicherungsanbieter aber nichts zu tun, weshalb die Uniqa auf Nachfrage nicht erklären kann, ob die Ärzte dadurch in Relation bessergestellt sind als ihr Pendant mit Kassenvertrag.

In der Klinik in Graz sind jedenfalls von Montag bis Donnerstag Allgemeinmediziner von 18 bis 8 Uhr für die hausärztliche Versorgung im Dienst, an Wochenenden durchgehend von Freitag, 18 Uhr, bis Montag, 8 Uhr. Feiertage werden ganztägig besetzt. Behandelt werden akute Erkrankungen und kleine Verletzungen. Notfälle wie Herzinfarkte oder offene Brüche bleiben weiterhin Spitalsangelegenheit.