Die Uniqa sieht sich mit ihrem Angebot nicht als Konkurrent zum niedergelassenen Arzt. Dieser hätte zu den angebotenen Öffnungszeiten so und so zugesperrt. Der behandelte Patient werde außerdem zum Hausarzt weitergeschickt, damit er dort fertigbehandelt wird. "Akut-Versorgt" sei nur eine Zwischenschiene in den hausärztlich unterversorgten Nächten, Wochenenden und Feiertagen. 2500 Behandlungen seien im Zuge des Uniqa-Projekts durchgeführt worden, das meiste seien kleinere Unfälle, Entzündungen oder Kreislaufbeschwerden gewesen. Bei 11,6 Millionen E-Card-Verwendungen pro Monat ist das Uniqa-Angebot noch eine Kleinigkeit.

Der Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer sieht den Vorstoß der Uniqa nicht so locker. "Es ist ein Zeichen, dass die Nachfragelücken im Gesundheitssystem immer stärker durch die Marktwirtschaft übernommen werden", sagt Pichlbauer. Seit Jahrzehnten werde vor den negativen Folgen für das System gewarnt, wenn sich Wahlärzte und Sonderklasseversicherungen immer stärker gegen das öffentliche System durchsetzen. Ohne eine nachhaltige Verbesserung der Gesundheit werde es für den Einzelnen obendrein teurer. "Die Leute sind aber bereit, das zu zahlen." Vor allem wenn sie sich daran gewöhnen würden, bei der Uniqa schneller einen Termin zu bekommen.

Jetzt koste der Uniqa-Service sechs Euro, um die Leute anzulocken, konstatiert Ökonom Pichlbauer. Abzuwarten sei, was es kostet, wenn sich der Service durchgesetzt habe und sich die Uniqa zudem dazu entschließe, ihr Service auch wochentags anzubieten. Ob dann ein 75-jähriger Diabetiker noch immer sechs Euro zahlt? Pichlbauer ist skeptisch. Eine private Versicherung müsse schließlich ihre Prämien nach dem Risiko festlegen. "Sonst bricht sie das Gesetz."

Der Chef des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger und Finanzier der Kassenstellen, Alexander Biach, will das Uniqa-Angebot nicht verteufeln. Der Gesundheitsmarkt wachse in der Summe. Die Leute seien schon seit längerer Zeit bereit, mehr Geld für Gesundheit auszugeben. Um diesen Markt würden sich daher auch immer mehr private Anbieter streiten. "Das ist prinzipiell nichts Schlimmes", sagt Biach. "Schlimm wird es nur dann für uns, wenn durch die Privaten der Kostendruck auf das öffentliche System steigt und dieses Einschränkungen erfährt."

Deshalb seien die Systeme in Österreich mit Ärzte- und Pharmaverträgen abgesichert, um eine "Rundumversorgung" garantieren zu können und keine gröberen Abstriche machen zu müssen. Eine Antwort auf den privaten Vorstoß seien laut Biach die Primärversorgungseinheiten, in denen mehrere Gesundheitsberufe unter einem Dach bei längeren Öffnungszeiten arbeiten sollen. In der Nacht haben diese aber auch geschlossen. Es bleibt laut Biach der Unterschied, dass das öffentliche System "für alle da sein muss, und nicht nur für die, die es sich leisten können".