Wien. Genau zu jener Zeit, als rund 100.000 Flüchtlinge nach Österreich zogen, hing das heimische Wirtschaftswachstum gerade in den Seilen. Es war die Zeit, als nach zunächst erfolgreicher Krisenbewältigung die Konjunktur nicht und nicht anspringen wollte und die Zahl der Arbeitslosen immer weiter stieg. Und genau dann kamen 100.000 nach Österreich, die nach ein paar Jahren einen Platz auf dem Arbeitsmarkt finden sollten. Wie sollte das gehen?

Zuerst aber mussten ohnehin erst die Asylverfahren abgewickelt werden, denn nur wer "asylberechtigt" ist oder subsidiären Schutz erhält, darf auch arbeiten. Und genau das passierte in den Jahren danach. Nach und nach stieg also das Arbeitskräftepotenzial unter den Geflüchteten.

Das Arbeitsmarktservice (AMS) hatte damals die Prognose abgegeben (bzw. aus Deutschland übernommen), wonach in fünf Jahren 50 Prozent eine Arbeitsstelle gefunden haben sollten. Diese fünf Jahre sind noch nicht vergangen, bisher liegt man jedenfalls über den Erwartungen. Um den Erfolg zu messen, hat sich das AMS zwei Gruppen von Geflüchteten genau angesehen. Die eine erhielt 2015 Zugang zum Arbeitsmarkt, die andere 2016.

Es ist wenig überraschend, dass die Beschäftigungsquote bei der ersten Gruppe etwas höher ist, diese Flüchtlinge kamen meist früher, sie hatten daher mehr Zeit, einen Arbeitsplatz zu finden. Für März 2019 weist die erste Kontrollgruppe einen Anteil von fast 40 Prozent aus, die bereits eine Beschäftigung gefunden haben. Bei der zweiten Gruppe sind es 34,4 Prozent. Ob dieser recht kontinuierliche Anstieg auch in den kommenden Jahren so fortgeschrieben werden kann, ist dadurch allerdings nicht gesagt.

Erstens trübt sich laut Prognosen die Konjunktur ein, zweitens wurden dem AMS Mittel für Maßnahmen zur Arbeitsmarktintegration gekürzt, und drittens ist auch unsicher, wie viele am Ende tatsächlich langfristig Fuß fassen können. Dazu gibt es bisher keine Studien. Was man weiß: Unter Geflüchteten ist die psychische und körperliche gesundheitliche Situation weitaus schlechter als bei anderen Bevölkerungsgruppen.

Netzwerke sind bei Job-Suche
entscheidender Faktor

An der Universität Wien wird seit geraumer Zeit über die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen geforscht. Geleitet wird das Projekt von den Soziologen Bernhard Kittel und Roland Verwiebe, der kürzlich an die Uni Potsdam wechselte. Finanziert wird das seit 2016 laufende Projekt von der Österreichischen Nationalbank.

Die Erkenntnisse der Forscher, die auf einer Umfrage unter 1000 Geflüchteten sowie auf qualitativen Interviews von 35 Asylberechtigten basieren, weisen auf einen ganz zentralen Aspekt hin, der für die Politik von Bedeutung sein kann. Die meisten, nämlich 43 Prozent der Befragten, suchten zwar über das AMS einen Job (das ist auch die Voraussetzung, um Sozialleistungen zu beziehen), fündig wurden über diese Einrichtung aber nur 15 Prozent.