Wien. Unter dem Label "Entdecke das Geheimnis für ein gesundes Leben" beginnt Montag die Kindergesundheitswoche. In der Zentrale der Berufsrettung im dritten Wiener Bezirk können Kinder und Jugendliche von 8 bis 14 Jahren mehr als 50 Workshops und Vorträge zu unterschiedlichen aus dem Bereich Gesundheit absolvieren. Bereits im Vorfeld der Veranstaltung wurde Kritik laut, weil im Programm auch Workshops zum Thema Homöopathie angeboten werden. Über das durch die stetig steigenden Masernfälle immer virulenter werdende Thema Impfen wird bei der Kindergesundheitswoche hingegen nicht aufgeklärt.

Die Liste Jetzt sieht den Workshop zur "Zauberhaften Welt der Homöopathie" kritisch. Dieser ist für jeden der drei Schwerpunktage eingeplant. Der Vortrag wird von der Gesellschaft für Homöopathische Medizin veranstaltet, vertreten wird diese dort durch ihren Präsidenten Volker Neubauer. Dort bekommen die Kinder und Jugendlichen laut Programmpunkt vermittelt, "welch große Kraft in den kleinen, süßen Kugeln steckt". Ebenso soll der Herstellungsprozess der "Kügelchen, Tabletten und Tropfen" erklärt werden.

Es ist nur 100 bis 250 Nanometer groß, verbreitet sich aber extrem schnell: das Masernvirus. - © Fotolia/Kateryna_Kon
Es ist nur 100 bis 250 Nanometer groß, verbreitet sich aber extrem schnell: das Masernvirus. - © Fotolia/Kateryna_Kon

Kritik an "Zauber-Medizin"

"Mir würde eine ganze Reihe an sinnvollen Gesprächsrunden einfallen, zu denen man Kinder und Jugendliche einladen könnte", sagt Jetzt-Abgeordnete Daniela Holziger-Vogtenhuber. "Der Umgang mit Globuli gehört jedoch sicher nicht dazu." Das sei "Zauber-Medizin" und habe bei einer seriösen Infoveranstaltung nichts verloren. "Wir werden die Hintergründe dessen mittels einer parlamentarischen Anfrage abklären."

Die Gesundheitswoche klärt Kinder unter anderem über die "Kraft der kleinen, süßen Kugeln" auf.  - © APAweb / Fred Tanneau, AFP
Die Gesundheitswoche klärt Kinder unter anderem über die "Kraft der kleinen, süßen Kugeln" auf.  - © APAweb / Fred Tanneau, AFP

Die Liste Jetzt will unter anderem wissen, ob das Gesundheitsministerium die Gesellschaft für Homöopathie eingeladen hat und warum. Sie fragt auch, ob Präsident Neubauer für seinen Vortrag ein Honorar bekommt, welcher Wissenstand im Ressort über Homöopathie aufliegt und was der Oberste Sanitätsrat von der Wirkung homöopathischer Medizin hält.

Auch die Patientenanwältin Sigrid Pilz kritisiert im Ö1-"Mittagsjournal", dass Werbung für die "unseriöse Scheinmedizin" gemacht wird. "Es wird hier völlig unkritisch in die Welt der Globolis und Zuckerkügelnchen eingeführt", sagt Pilz.

Die Gesundheitspolitik ist bei den Kindergesundheitswochen mit Ministerin Beate Hartinger-Klein und den Präsidenten der Apotheker- und Ärztekammer hochrangig vertreten.

Hauptverband fordert verpflichtende Masernimpfung

Keinen eigenen Vortrag gibt es hingegen für das Thema Impfen. Angesichts der stetig steigenden Masernfälle in Österreich ist das bemerkenswert. In Deutschland fordert Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) unterdessen eine Impfpflicht gegen Masern. Diese soll mit Geldstrafen von bis zu 2500 Euro und einem drohenden Ausschluss vom Kindergarten-Besuch durchgesetzt werden. "Wer dort neu aufgenommen wird, soll das nachweisen", sagt Spahn. Wer aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden könne, müsse eine ärztliche Bescheinigung vorlegen. Für Schulen sei ein solches Verbot wegen der Schulpflicht nicht möglich.

Obwohl laut jüngsten Zahlen des Robert-Koch-Instituts 93 Prozent der Kinder in Deutschland gegen Masern durchgeimpft sind, hält Spahn eine Impfpflicht für unerlässlich. "Ich will die Masern ausrotten", sagte Spahn der "Bild am Sonntag".

In Österreich gibt es in Sachen Impfpflicht noch kein Fortkommen. Ministerin Hartinger-Klein hat sich stets dagegen ausgesprochen, da sie Eltern nicht bevormunden möchte. Die Ministerin bevorzugt die ärztliche Aufklärung. Die Ärztekammer hingegen sprach sich klar für eine Impfpflicht aus und forderte wie Spahn einen Ausschluss von ungeimpften Kindern aus dem Kindergarten.

Am Montag preschte Alexander Biach, Chef des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger, vor und forderte eine verpflichtende Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln ein. Hier sei die Durchimpfungsrate bei Vierjährigen seit dem Jahr 2016 von 89 auf 84 Prozent gesunken. "Das ist ein Weckruf", so Biach