Das ist ein zu einfacher Befund. Es gibt solche Bereiche. Es gibt aber auch welche, wo wir als Kirche in Kooperation mit dem Staat Aufgaben übernehmen. Wir machen das gern und glauben auch, dass das ein Mehrwert ist. Ein vor allem aus Sicht des Protestantismus wichtiger Bereich ist auch die Bildung, wo die Anforderungen steigen, schon im Kindergarten, aber an den Rahmenbedingungen ändert sich nichts.

Welche Forderungen haben Sie als Bischof an die Bundesregierung?

Ich werde mein Amt am 1. September nicht mit Forderungen antreten. Aber neben dem Karfreitag ist das wesentliche Thema, das uns alle bewegen muss - auch die Bundesregierung -, die Klimagerechtigkeit. Da muss man auch angesichts der Steuerreform sagen: Da ist noch viel Luft nach oben. Ich halte die Bewahrung der Schöpfung für eines der zentralen Themen, weil uns die Welt nicht ins Eigentum übergeben worden ist, sondern um sie zu bebauen und zu bewahren. Die Kirche hat hier einen Vorteil: Sie muss nicht in Legislaturperioden denken, sondern kann in Ewigkeiten denken. Aber ich verlange von Politikern, die in Legislaturperioden denken müssen, dass sie auch an ihre eigenen Kinder und Enkelkinder denken. Wir wissen, dass wir nur noch ganz kurz Zeit haben, das Steuer herumzureißen. Das Interessante ist ja, dass jetzt Schüler streiken müssen, um das einzufordern, was alle Regierungen in Paris selbst beschlossen haben.

Wir sind als Kirche immer eine weltweite Gemeinschaft: Wenn wir am Sonntag das "Vater unser" beten, dann ist das wie eine Gebetskette rund um den Globus. Wir wissen, was jetzt schon Klimakatastrophen in Mosambik oder an der indischen Ostküste für unsere Schwestern und Brüder dort bedeuten, weil wir mit diesen Kirchen verbunden sind. Und umgekehrt wissen sie, dass wir hier in Europa für sie beten und Geld sammeln, das wir ihnen schicken. Wir leben in einer Welt, wir können uns da nicht abkoppeln.