Der Großteil der politischen Bezirke hat aber einen Anteil von Zugewanderten zwischen sechs und zehn Prozent. In manchen Bezirken bewegt er sich unter fünf Prozent. Zuwanderung findet häufiger in Ballungszentren statt. In Städten sind die Jobchancen größer als in strukturschwachen ländlichen Regionen. Der Wohnungsmarkt spielt aber die größte Rolle. Zuwanderer haben weniger Geld zur Verfügung und ziehen deshalb in Bezirke, in denen Mieten niedriger sind. Sie verdrängen die Österreicher also nicht aus bestimmten Bezirken, sondern sie ziehen dort hin, wo ihre jeweilige Community bereits sesshaft ist und der Wohnraum günstiger ist. Die Soziologin Christina Schwarzl stellte in einem Beitrag für das Buch "Migration und Integration. Fakten oder Mythen?" fest, dass "sich in keinem politischen Bezirk Österreichs die gebürtige österreichische Bevölkerung in der Minderheit" befindet.

Doch wie sieht es in der Zukunft aus? Die Zahl der im Ausland geborenen Bevölkerung wird in den kommenden Jahrzehnten zunehmen. Sieht man sich die Bevölkerungsprognose der Statistik Austria an, wird dieser Anteil bis 2030 von 15,8 Prozent auf 22 Prozent und bis 2050 auf etwa 25 Prozent ansteigen. Sterbefälle, Geburten, Ab- und Zuwanderungen sind in diesem Modell miteingerechnet. Langfristig – also bis zum Jahr 2100 – wird sich der Anteil der nicht in Österreich geborenen Bevölkerung auf 25 Prozent einpendeln, heißt es bei der Statistik Austria. Dass Österreicher in naher oder ferner Zukunft zur Minderheit im eigenen Land werden, kann mit diesem Modell nicht belegt werden.

Mehr Muslime, aber keine Mehrheit

Das Feindbild Nummer eins der FPÖ ist der Islam. Mantraartig wird vor der Gefahr durch eine "schrittweise Islamisierung" gewarnt.

Da "Islamisierung" keine wissenschaftliche Kategorie darstellt, schauen wir uns den Anteil der Muslime in Österreich an. Derzeit leben nach Schätzungen rund 700.000 Muslime in Österreich. Sie stellen nach Katholiken (5,16 Millionen) und Konfessionslosen (2,63 Millionen) die drittgrößte Gruppe. Eine Studie des Vienna Institute of Demography kam im August 2017 zu dem Ergebnis, dass sich der Anteil der Muslime seit 2001 von vier auf acht Prozent verdoppelt hat. Die Zahl ist eine Schätzung, da die Religionszugehörigkeit das letzte Mal bei einer Volkszählung 2001 abgefragt wurde.

Wie die Zukunft aussehen könnte, haben die Studienautoren anhand von vier verschiedenen Szenarien durchgerechnet. Gemeinsam ist allen, dass sie von einem mehr oder weniger starken Anstieg des Anteils von Muslimen und den Konfessionslosen bis 2046 ausgehen – abhängig von der Zuwanderung. Am Beispiel Wien betrachtet würde im Szenario "High Immigration" die muslimische Bevölkerung von 14 auf 30 Prozent anwachsen und somit die größte religiöse Gruppe darstellen. Die Katholiken würden von 35 auf 22 Prozent schrumpfen. Bei dieser Prognose würden Muslime in Wien die Mehrheit stellen. Doch dieses Szenario gilt unter Wissenschaftern als wenig wahrscheinlich. Denn es basiert auf einer "open door policy": Österreich würde Flüchtlinge und Migranten mit offenen Armen empfangen. Das Gegenteil ist derzeit aber der Fall.