Wien. Wasser gibt es in Österreich zwar genug - bei fortschreitender Klimaerwärmung könnte es aber dennoch zu Engpässen kommen. Wie damals, im Jahr 2003, als die Trinkwasserversorger laut Franz Dinhobl, Präsident der Österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW), vor enormen Herausforderungen standen. Warum? Wenn die Infrastruktur wie Speicher und Rohrleitungen nicht auf die steigenden Verbrauchsspitzen durch lang anhaltende Dürreperioden ausgerichtet wird, hilft die theoretisch verfügbare Wassermenge wenig, um den Bedarf zu decken. Zudem seien die Leitungen zum Teil älter als 50 Jahre und zunehmend sanierungsbedürftig, so Dinhobl.

Das Thema "Trinkwasser schützen und sichern" stand am Mittwoch im Fokus einer vom Bundesrat veranstalteten Parlamentarischen Enquete. Politiker und Experten erörterten dabei Möglichkeiten und Wege, wie trotz neuer Probleme wie durch den Klimawandel die Versorgungssicherheit gewährleistet bleiben kann. Tatsache sei laut Michael Staudinger, Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, dass die Anzahl der Wetterextreme wie Dürreperioden zunehmen werde.

Bis 2021 jährlich
80 Millionen Euro Fördermittel

Vor allem der Osten Österreichs sei von Trockenheit betroffen, während die südliche Steiermark, Kärnten und das südliche Burgenland mit nicht enden wollenden Überschwemmungen zu kämpfen hätten. Das Problem der Trinkwasserversorgung werde daher ein regionales sein, so Staudinger. Im Osten wäre die Landwirtschaft schon jetzt ohne Bewässerung gar nicht mehr möglich. Daher müsse man ein lückenloses Netz aus Verbindungsleitungen errichten, sagte dazu Dinhobl, um einen Ausgleich zu schaffen.

Insgesamt stehen Österreich derzeit pro Jahr laut ÖVGW 86 Milliarden Kubikmeter Wasser zur Verfügung. Der gesamte jährliche Wasserbedarf liegt bei 2,5 Milliarden Kubikmeter, also bei nur rund drei Prozent, wobei zwei Drittel auf Landwirtschaft und Industrie entfallen. Dieser Bedarf wird hierzulande zur Gänze aus Grund- und Quellwasser gedeckt - im Unterschied zu anderen europäischen Ländern wie Deutschland, wo Oberflächenwasser aus Flüssen und Seen für die Trinkwasserversorgung aufbereitet werden muss.

Damit die Ressource Wasser, die "zu einer Selbstverständlichkeit geworden" sei, auch weiterhin gesichert verfügbar bleibt, werde man bis 2021 jährlich 80 Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung stellen, sagte Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) im Rahmen der Parlamentarischen Enquete in der Wiener Hofburg. Seit 1959 seien insgesamt 61 Milliarden Euro in die Infrastruktur investiert worden, wodurch heute neun von zehn Haushalten an das Trinkwassernetz sowie die Abwasserleitungen angeschlossen seien.

Die Versorgung müsse aber "in der Verfügungsgewalt der öffentlichen Hand bleiben", sagte Köstinger - und erteilte damit Privatisierungsversuchen eine Absage. "Eine Privatisierung oder Liberalisierung ist nicht vorgesehen", unterstrich Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ).

Opposition kritisiert
Umwelt- und Klimapolitik

Österreich hat auch den Vorschlag für eine neue EU-Trinkwasserrichtlinie nicht unterzeichnet. Mit dieser werden die Qualitätsstandards festgelegt. Die neue Richtlinie könnte aber zusätzliche Bürokratie für die Wasserversorger bedeuten, so die Befürchtung - was sich wiederum auf den Preis und damit die Konsumenten auswirken könnte. In Österreich gibt es zudem sehr viele, sehr kleine Wasserversorger (rund 5000), die betroffen wären. Auch wenn die Ziele durchaus befürwortet würden, vertrete der EU-Ausschuss des Bundesrates die Auffassung, dass die Bestimmungen dem Prinzip der Subsidiarität und der Verhältnismäßigkeit widersprechen, so die Begründung.

Die Umweltsprecher der Oppositionsparteien haben wiederum am Mittwoch die Umwelt- und Klimapolitik der Regierung gescholten. Sie attestierten dieser, nur Symbolmaßnahmen als Antwort auf die Klimakrise zu setzen. Ziel sei, sie beim heutigen Umweltausschuss aus ihrem umweltpolitischen "Tiefschlaf" zu rütteln.