St. Lamprecht. Mit neuen Ergebnissen zum Zusammenhang zwischen Aktiveinkommen und Pensionen wartete der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Christoph Badelt, am Donnerstag im Rahmen der Denkwerkstatt St. Lambrecht in der Steiermark auf.

Akademiker leisten einen hohen Beitrag für das Pensionssystem. - © APAweb/Keystone,Christof Schuerpf
Akademiker leisten einen hohen Beitrag für das Pensionssystem. - © APAweb/Keystone,Christof Schuerpf

Zwei Details sind dabei für die sozialpolitische Debatte bemerkenswert. Bei Akademikern verlaufen die Lebenseinkommensprofile, wie Wifo-Studienergebnisse zeigen, besonders steil. Wegen der längeren Durchrechnungszeiträume bei den Pensionen trägt diese Gruppe zugleich stark zu den Pensionseinsparungen bei. Bei Personen im unteren Einkommensbereich sowie bei Frauen, die für Kindererziehung daheim bleiben, wirken sich deren instabile Beschäftigungsverhältnisse negativ auf die Pensionen aus.

Nur vager Zusammenhang Einkommen - Pension

Der Wifo-Chef verwies darauf, dass es zum Verhältnis der Aktiveinkommen zu den späteren Pensionen nur eine unvollständige empirische Evidenz gebe. Daher sei es "ein gewisses Puzzle" gewesen, Ergebnisse für die noch bis Freitag dauernde Tagung zusammenzustellen.

Traditionell sei der Zusammenhang zwischen Aktiveinkommen und Pension "eher indirekt", weil Ersatzzeiten für die Pension und die Hinterbliebenenversorgung, also Witwen- und Witwerpension eine Rolle spielten, erläuterte der Ökonom und Sozialwissenschaftler. "Das Entscheidende ist, dass es hier signifikante Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt", betonte Badelt. Der Zusammenhang zwischen Aktiveinkommen und Pension sei vom Ausmaß her je nach Geschlecht, Beruf und Pensionsversicherungsanstalt unterschiedlich.

Eines der Probleme sei die unterschiedliche Stabilität der Beschäftigung. Davon seien junge Menschen und Ausländer besonders betroffen. Durch instabile Beschäftigungen gebe es über einen längeren Zeitrahmen von 20 Jahren für diese Gruppen sogar Reallohnverluste. Insgesamt sei der Anteil der instabilen Beschäftigungen 2017 bei 34 Prozent gelegen, bei jungen Menschen hingegen sei er mit 69 Prozent doppelt so hoch, bei Pflichtschulabsolventen liege er bei 46 Prozent. Bei Frauen wiederum spielten längere Teilzeitarbeit und Kindererziehung beim Zusammenhang zwischen Aktiveinkommen und Pension eine besondere Rolle. Zwar würden Kindererziehungszeiten grundsätzlich "relativ großzügig" für die Pension angerechnet, räumte Badelt ein. Dennoch bleibe letztlich "eine relativ große Lücke" bei den Pensionen.

Das Wifo hat auch Lebenseinkommensprofile unterschiedlicher Berufsgruppen in Relation zu den Pensionen untersucht. Bei akademischen Berufen - und damit bei Besserverdienern - steige das Lebenseinkommensprofil relativ steil an, fasste der Wifo-Chef zusammen. Hingegen sei bei manuellen Berufen das Lebenseinkommensprofil "relativ eben". Das hat Folgen für die Pensionshöhe, wo seit der Pensionsreform 2003/04 die Durchrechnungszeiträume schrittweise bis 2028 auf 40 Jahre angehoben werden. Einsparungen bei den Pensionen würden demnach vor allem von Einkommensbeziehern mit steilen Lebenseinkommenskurven getragen. Der Zusammenhang zwischen Aktiveinkommen und Pension sei daher "sehr, sehr unterschiedlich". Am stärksten betroffen seien aber jene, die am unteren beziehungsweise am oberen Einkommensrand liegen.

Mazal: Nachdenken
über Grundpension

Für Badelt ergeben sich damit zwei Fragen. Was passiere mit jenen am unteren Einkommensrand? "Entwickeln wir uns in Richtung eines Volks der Ausgleichszulagenbezieher?", sagte der Ökonom. Umgekehrt sei die Frage, was mit jenen mit hohen Einkommen sei, für die es in Relation eine niedrige Ersatzrate bei der Pension gebe. Diese würden, was die Erwartungen im Hinblick auf den Lebensstandard betrifft, einen "Schrecken" erleben.

Wolfgang Mazal, wissenschaftlicher Leiter der Denkwerkstatt St. Lambrecht und Sozialrechtler an der Universität Wien, meinte unmittelbar dazu, vielleicht wäre eine Diskussion über eine Art Grundpension im Alter gar nicht so schlecht, wenn dazu eine kapitalgedeckte Zusatzaltersvorsorge komme. Er verwies dabei auf Beispiele in der Schweiz und in den Niederlanden.