Wien.  Mit einem Neun-Punkte-Plan will Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) Gewalt und Mobbing an Schulen in den Griff bekommen. Unter anderem setzt der Minister auf präventive Teambuilding-Maßnahmen, die Qualifizierung von Lehrern zu Streitschlichtern sowie die Einrichtung von Time-Out-Gruppen, hieß es bei einer Pressekonferenz am Freitag.

Der Vorfall an der HTL Ottakring in der Vorwoche sei "ein Beschleuniger unseres Nachdenkens gewesen, nicht der Auslöser", betonte Faßmann. Den konkreten Fall wollte er nicht näher kommentieren: "Wer den ersten Stein geworfen hat, kann ich nicht feststellen. Das ist aber auch egal: spucken, an die Wand drücken, Gewaltbereitschaft zeigen ist ein absolutes No-Go." Als Minister müsse er sich aber generell die Frage stellen, was dazu geführt habe - Systemversagen, Personenversagen oder eine schicksalhafte Fügung. "Derzeit tendiere ich zu einer Mischung aus Systemversagen und Personenversagen."

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"Man muss nicht alles neu erfinden"

Als Reaktion darauf setzt Faßmann auf mehrere Maßnahmen: "Manches ist bekannt, man muss nicht alles neu erfinden - manches muss man neu erfinden, manches stärker akzentuieren. Die Weltformel gibt es nicht bei der Bekämpfung von Gewalt und Mobbing."

So empfehle man etwa bei der Neuformierung von Klassengemeinschaften am Beginn des Schuljahres Teambuilding-Maßnahmen wie gemeinsame Ausflüge, um eine Gemeinschaft zu formen. "Das sieht zwar aus wie Verschwendung von Unterrichtszeit, aber alles, was man investiert, um eine Einheit zu schaffen, erspart man sich im Laufe des Schuljahres an Maßnahmen", ergänzte die Leiterin der niederösterreichischen Schulpsychologie, Andrea Richter.

In der Ausbildung sollen angehende Lehrer - dazu zählten auch Quereinsteiger - außerdem besser auf extreme Konflikte vorbereitet werden, so Faßmann. Außerdem sollten Schüler durch Verhaltensvereinbarungen zum Selbstbild einer gewaltfreien Schule beitragen - bei Nichteinhalten wären etwa Hilfsdienste in der Bibliothek oder die Mithilfe bei Veranstaltungen denkbar.

Neben Präventionsmaßnahmen sollen aber auch Lehrer, Direktoren und Schulaufsicht besser zu den rechtlichen Rahmenbedingungen geschult, eine Plattform für betroffene Lehrer und Schüler eingerichtet sowie Pädagogen zu Streitschlichtern ausgebildet werden. Zur Deeskalation sollen außerdem Schüler kurzfristig außerhalb des Klassenverbands untergebracht werden können - etwa für den Rest der Stunde oder des Tages.