Das ist allerdings etwas völlig anderes als ein festgeschriebenes Recht auf Arbeit, finanziert mit staatlichen Mitteln.

Es gibt nach wir vor Regionen mit einer exorbitant hohen Arbeitslosigkeit. Hier muss man die Frage stellen, ob es nicht auch zu den Aufgaben der EU gehören sollte, sich um Arbeit für die Menschen zu kümmern. Ich bin der Meinung: Ja, das gehört zu den Aufgaben Europas. Bisher kümmert sich die EU nur darum, dass der Wettbewerb funktioniert, der Binnenmarkt und der Kapitalmarkt. Aber niemand kümmert sich darum, dass auch der Arbeitsmarkt in Europa funktioniert. Das soll sich ändern, deshalb wollen wir, dass in Qualifizierung investiert wird, wenn die Arbeitslosigkeit steigt, dass auch Sozialdumping innerhalb der EU verhindert wird.

"Zu den Aufgaben der EU sollte auch gehören, dass die Menschen Arbeit haben."

Andreas Schieder (50), SPÖ-Spitzenkandidat bei der EU-Wahl

Aber wie soll dieses Recht auf Arbeit im Detail funktionieren?

Hier reden wir von einem europäischen Investitionsprogramm, von einem politischen Rechtsanspruch, nicht von einem vor Gericht einklagbaren Recht.

Wie dringend benötigt die SPÖ einen Erfolg, wie wichtig ist für sie Platz eins am Abend des 26. Mai in Österreich?

Die Menschen in ganz Europa brauchen dringend eine starke, eine stärkere Sozialdemokratie.

Ist alles andere als Platz eins bei der EU-Wahl eine Niederlage?

Wir reden von einer Parlamentswahl. Wir wollen ein doppeltes Plus: Mehr Stimmen für die SPÖ, aber auch mehr Menschen, die überhaupt an dieser Wahl teilnehmen. Die Demokratie schützt man nur dadurch, dass die Bürger wählen gehen.

In diesem Wahlkampf sind sich SPÖ, Grüne, Neos, Liste Jetzt und KPÖ Plus einig im Kampf gegen Rechtsaußen und Nationalismus. Wertet man damit nicht den Gegner auf und verwässert das eigene politische Profil?

Das halte ich für einen falschen Eindruck. Richtig ist, dass Europas Populisten und Nationalisten sich zusammenschließen, um diese EU zu zerstören. Und Europas Konservative schauen dem Treiben interessiert zu, weil sie in vielen Staaten mit diesen Nationalisten gemeinsam regieren. Um das zu verhindern, muss die Sozialdemokratie aufzeigen, wie sie Europa verbessern will, es geht um die große soziale Frage, darum, was wir unter Gerechtigkeit verstehen. Nur ein Beispiel: Starbucks macht in Österreich 18 Millionen Euro Umsatz und zahlt 800 Euro Steuern. Das Wirtshaus "Zum frohen Schaffen" am Wiener Stadtrand zahlt das Zehnfache an Steuern. Als ich das der Wirtin erzählt habe, hat sie nur gemeint: "Irgendetwas machen wir falsch, wir sind die Depperten." Ich will ein Europa mit gleichen Rechten und Pflichten für alle. Wir brauchen für die Zukunft soziale Mindeststandards in allen EU-Staaten.

Was machen Sie, wenn es für diese Maßnahmen keine Mehrheiten in den betreffenden Staaten gibt?