Wien. Wer die letzten Reste des Team Stronach hautnah erleben möchte, wird enttäuscht. Seit November vergangenen Jahres ist dort nämlich laut Veranstaltungskalender nichts mehr los. Nein, das ist kein Scherz, und nein, hier geht es nicht um die 2017 verendete Parlamentspartei, sondern um deren Parteiakademie. Die gibt es nämlich noch, weil ihr trotz des Aus für die Mutterpartei ordentlich Geld übrig geblieben ist. Diese Mittel gehen inzwischen aber nicht nur zur Neige, die letzten Reste des Team Stronach wollen sich nun sogar aus eigener Kraft endgültig auflösen.

"Die Sinnhaftigkeit ist nicht mehr da", sagt die ehemalige Stronach-Abgeordnete, "Miss World" von 1987 und noch-geschäftsführende Leiterin der Akademie, Ulla Weigerstorfer. Nach dem Ende der Bundespartei hatten die Stronachs noch Vertreter in den Bundesländern und im Bundesrat. Das alles sei nun aber passé.

Aufgehalten worden sei ein schnelleres Ende von einer Prüfung des Rechnungshofs, der sich gerade die Zahlen aller Parteiakademien zwischen 2012 und 2017 genauer ansieht. Dieser Akt sei aus Sicht der Stronach-Akademie aber abgeschlossen, alles Nötige sei übergeben worden. "Jetzt ist der weitere Schritt die Auflösung", sagt Weigerstorfer. Wie schnell das geht, kann sie nicht sagen. Dieses Jahr werde die Akademie aber voraussichtlich nicht mehr überleben.

Zwischen den Jahren 2014 und 2018 bekam die Akademie jedes Jahr etwa eine Million Euro an Steuergeld, das für Bildungsarbeit etwa in Form von Vorträgen und Diskussionen zweckgewidmet ist. Seit dem jähen Ende des Team Stronach nach der Nationalratswahl am 15. Oktober 2017 fließt kein Fördergeld mehr. Allerdings blieben der Akademie Ende 2017 fast 876.000 Euro übrig, weshalb Weigerstorfer unabhängig davon gemeinsam mit zwei anderen Vorständen weitermachen wollte.

Ein umstrittener Doppelbezug

Immerhin war die Akademie-Leitung gut dotiert. Dem Vernehmen nach mit 4000 Euro pro Monat. Bis zur Wahl 2017 verdiente Weigerstorfer zusätzlich 8750 Euro als Abgeordnete. Dieser politische Doppelbezug war damals umstritten. Eine schriftliche Nachfrage dazu blieb unbeantwortet.

Ende 2018 waren laut Tätigkeitsbericht noch knapp 348.000 Euro an Steuergeld in den Akademiekassen. Wird man die restlichen Gelder zurückgeben? "Da ist nicht sehr viel übrig", sagt Weigerstorfer. Wie viel noch da ist, das kann sie nicht beantworten. Man müsse aber weiterhin Büro-Miete zahlen, es gebe Kündigungsfristen von Mitarbeitern, und die Akademie müsse "eine kleine Summe an Rückstellungen bei einem Anwalt hinterlegen", um mögliche Nachzahlungen auszugleichen, sollten doch Ungereimtheiten auftauchen.